Navigation überspringen
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek
Zugang zu den Online-Zeitschriften
WELTKUNST, das Kunstmagazin der ZEIT.
Kontakt

Dr. Maria Effinger

Universitätsbibliothek Heidelberg
Plöck 107-109
69117 Heidelberg
Tel: +49 (0) 6221 54-3561

Brief E-Mail

Die Weltkunst – digital / Die Kunstauktion: internationales Nachrichtenblatt des gesamten Kunstmarktes – digital

Der Maler, Sammler und Kritiker Walter Bondy gründete 1927 die Kunstmarktzeitschrift Die Kunstauktion. Ihm schwebte ein „Börsenblatt“ des Kunstmarkts mit möglichst genauer, unbestechlicher Berichterstattung vor, wie er im programmatischen Editorial der ersten Ausgabe am 15. Oktober 1927 schrieb. Konsequent folgten Bondy und seine Redaktionskollegen diesem Anspruch mit Auktionsvorberichten, Resultaten von Versteigerungen, Neuigkeiten aus dem Kunsthandel und Sammlungswesen, den Museen und der kunsthistorischen Forschung. So wurde das Blatt im Zeitungsformat, das wöchentlich mit bis zu 14 Seiten erschien, zum wichtigsten Organ des deutschen Kunstmarkts, der sich in den Zwanzigerjahren stark entwickelte und immer größere internationale Bedeutung erlangte. Eine unerschöpfliche Fülle von Informationen aus allen nur denkbaren Bereich der Kunst bietet die Seite „Nachrichten von Überall“. Ziemlich witzig sind zuweilen die Glossen, etwa vom Schriftsteller Kurt Kusenberg unter dem Pseudonym „Simplex“.

Im Jahr 1929 übernahm J.I. von Saxe von Bondy die Herausgeberschaft. Um neben der Fokussierung auf den Auktionsmarkt ein größeres Publikum anzusprechen, suchte Saxe mit Hilfe einer Jury nach einem neuen Namen. Am 28. September 1930 erschien die Zeitschrift erstmals unter dem Namen Weltkunst, den sie bis heute trägt. Seit 1934 gehörte der Verlag Carl August Breuer, der ihn wegen der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten teilweise von Paris aus leitete. Wie alle Presseorgane unterstand auch die Weltkunst in der NS-Zeit der Reichspressekammer. Zwar finden sich selten martialische Propaganda-Artikel und spürt man meist den Willen, möglichst sachlich zu berichten und manches zwischen den Zeilen anklingen zu lassen, doch war die Weltkunst – ob sie es wollte oder nicht – mit ihren akribischen Ankündigungen von Auktionen und Sammlungsverkäufen bis hin zum Abdruck von Ergebnislisten tief verstrickt in den Handel mit Raubgut aus jüdischem Besitz. Bis in die letzten Kriegsjahre stößt man in den Anzeigen und Vorberichten auf zahllose Versteigerungen aus ungenannten privaten Sammlungen und bürgerlichen Wohnungsauflösungen – ein Großteil davon hat mit dem Rassenwahn, Entrechtung, Vertreibung und Staatsterror zu tun.

Mit der digital erschlossenen Die Kunstauktion und Weltkunst von 1927 bis 1944 öffnet sich ein gewaltiges Archiv zum Kunstgeschehen in der Weimarer Republik und der NS-Zeit. Die im „Dritten Reich“ erschienenen Jahrgänge sind zudem eine wichtige Quelle für die Provenienzforschung in Raubkunstfällen. 1943 wurden die Berliner Redaktionsräume der Weltkunst, die hier auch einen öffentlichen Lesesaal unterhielt, ausgebombt und die Arbeit nach Nauen verlegt. Am 15. September 1944 war dann wegen „der durch den totalen Krieg bedingten Konzentrationsmaßnahmen auf dem Gebiete der Presse“ endgültig Schluss. Im Jahr 1949 fing die Familie Breuer in München neu an. Seither erschien die Weltkunst ununterbrochen. Nach mehreren Besitzerwechseln gehört sie seit 2005 dem Hamburger Zeitverlag, in dem auch Die Zeit erscheint. Seit 2012 sitzt die Redaktion wieder in Berlin.

Weiterführende Literatur

zum Seitenanfang