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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek

Elisabeth Charlotte (Liselotte) von der Pfalz und ihre Briefe

(http://liselotte-digital.uni-hd.de)

Digitalisierte Unterschrift: Elisabeth CharlotteMan schätzt, daß Liselotte etwa 60.000 Briefe verfaßt hat, die Hälfte davon in deutscher Sprache. Mehr als 6.000 Briefe in ihrer prägnanten Handschrift sind erhalten. Davon werden 53 in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrt, die nun auch in digitalisierter Form im Internet betrachtet werden können.

In einem Schreiben von 1707 äußert sich die damals in Fontainebleau lebende Herzogin gegenüber ihrer Halbschwester, Raugräfin Amelie Elisabeth von Degenfeld, zu ihrer ureigensten Passion: "Freilich schreib ich mehr als einen Brief des Tages, es geht kein Tag vorbei, daß ich nicht auf wenigstens vier Briefe schreibe, des Sonntags oft zwölf". An anderer Stelle bekennt sie: „Schreiben ist meine große occupation, denn ich kan und mag nicht arbeytten, finde nichts langweiligers in der welt, alß eine nehennadel einzustecken und wieder herauszuziehen“. Die erhaltenen Briefe sind zumeist an Adressaten in Deutschland gerichtet sind, z.B. an ihre Tante Sophie, Herzogin von Hannover, und an ihre Halbschwestern Luise und Amelie Elisabeth. Sie schildert darin z.T. sehr direkt und unverblümt das Leben und die Verhältnisse am Hofe Ludwigs XIV. Briefe, die Liselotte empfangen hat, sind nicht erhalten, teilweise verbrannte Liselotte sie, nachdem sie die Briefe beantwortet hatte, ansonsten wurden die Briefe – wie es damals üblich war – nach Liselottes Tod 1722 vernichtet.

Unter den 53 Briefen, die in der Universitätsbibliothek Heidelberg verwahrt werden, befinden sich 47 Briefe an die Hofdame Madame de Ludre, die sich in ein lothringisches Kloster zurückgezogen hatte. In diesen äußert sich Liselotte u.a. über den Versailler Hof,  Kriege, die Politik ihres Sohnes Philipp von Orléans, den Tod Ludwigs XIV. und über Fragen der Religion und Lebensphilosophie. Mehrfach behandelt Liselotte auch Krankheitsfragen und überliefert dabei Details über die Praxis der Medizin um 1700. Dieser Briefwechsel stellt somit eine wichtige Quelle zur Mentalitäts- und Kulturgeschichte des französischen Hofes dar.

Der letzte Brief des Konvolutes ist kurz vor dem Tod der Herzogin diktiert. Nur die Anrede und die Unterschrift wurden eigenhändig ausgeführt.

Anlässlich des 350. Geburtstages Liselottes am 27. Mai 2002 haben die Universitätsbibliothek und die Heidelberger Stadtbücherei eine Auswahl der in ihren Beständen vorhandenen Publikationen zu Liselottes Person und ihren Briefen in einem Schriftenverzeichnis zusammengestellt. Hierdurch wird eine große Zahl von Monographien aber auch Aufsatzliteratur erschlossen.

Eine Linksammlung mit interessanten Internetquellen zu Liselotte finden Sie im Rahmen der Virtual Library Kurpfalz.

Die hier präsentierte Transkription der 47 Briefe Madame de Ludre (Signatur Heid. Hs. 3903) folgt mit freundlicher Genehmigung des Verfassers der Edition von Jürgen Voss, Die "Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans an die ehemalige Versailler Hofdame Madame de Ludres (1687-1722)", in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, 129 (1981), S. 234ff.

Die übrigen Briefe wurden von Dr. Wolfgang Metzger (Transkription und Übersetzung der französischen Briefe) und Dr. Karin Zimmermann (Transkription der deutschen Briefe) transkribiert und übersetzt.


Fragen, Anregungen und Kritik bitte an Brief Dr. Maria Effinger

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