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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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Jacob Henle (1809-1885)

Porträt Friedrich Gustav Jacob Henle wurde im Jahr 1809 als Sohn eines Kaufmanns in Fürth geboren. 1828 begann er mit dem Studium der Medizin in Bonn, wo er bereits vier Jahre später promovierte („De membrana pupillari aliisque oculi membranis pellucentibus“).

Zum Staatsexamen wechselte er 1833 nach Berlin, und im darauf folgenden Jahr nahm er dort eine Stelle als Prosektor an der Medizinisch-Chirurgischen Militär-Akademie an. Er habilitierte sich 1837 („Symbolae ad anatomiam villorum intestinalium inprimis eorum epithelii et vasorum lacteorum“). Im Frühjahr 1840 wurde er zum Professor und Direktor des anatomischen Institutes an der neu gegründeten Universität Zürich berufen.

Querelen an dieser Universität veranlassten ihn, 1844 einen Ruf der Universität Heidelberg anzunehmen, wo er zunächst neben Tiedemann unterrichtete. Während Tiedemann der Tradition verhaftet war, begeisterte sich Henle vor allem für die mikroskopische Anatomie. So war es nicht verwunderlich, dass sich die beiden Anatomen nicht gut verstanden. Nach den Wirren der Deutschen Revolution von 1848/49, in deren Folge Tiedemanns Sohn als Revolutionär hingerichtet worden war, trat Tiedemann zurück und Henle wurde alleiniger Institutsleiter. Im Jahr 1852 wechselte Henle nach Göttingen, wo er bis zu seinem Tod im Mai 1885 sehr erfolgreich forschte und lehrte.

Henle war ein sehr geselliger und charismatischer Mensch, dessen Vorlesungen selbst von medizinischen Laien sehr geschätzt wurden. So fand sich auch der Schweizer Schriftsteller Gottfried Keller unter seinen Hörern und verarbeitete diesen Besuch später in seinem Buch „Der grüne Heinrich“. Auch Henles Privatleben wurde zum Gegenstand literarischer Bemühungen; er hatte mit Elise Egloff eine Frau geheiratet, die er als Dienstmädchen bei einer Soirée eines Zürcher Kollegen kennen gelernt hatte. Im Empfinden der damaligen Zeit handelte es sich bei dieser Verbindung um eine "Mesalliance", die mehrere Schriftsteller veranlasste, über Henle und seine revolutionäre Ehe zu schreiben. So entstanden, ohne Henles Einverständnis und Wissen, unter anderem die Romane „Die Frau Professorin“ von Berthold Auerbach, das sehr erfolgreiche Theaterstück „Dorf und Stadt“ von Charlotte Birch-Pfeiffer und der Roman „Regine“ von Gottfried Keller. Der Briefwechsel zwischen Henle, seiner Familie und Elise Egloff wurde 2004 unter dem Titel „Mein lieber, böser Schatz“ neu aufgelegt.

Zusammen mit seinem Freund Karl Pfeufer (1806-1869) gab Henle ab 1844 die „Zeitschrift für rationelle Medicin“ heraus. Ziel dieses neuen Journals war eine Erneuerung der Medizin im Allgemeinen und der Pathologie im Besonderen, wobei die neuen Erkenntnisse, die durch den Einsatz der Mikroskopie gewonnen wurden, von besonderer Bedeutung waren. Henles größte Leistung besteht in der Etablierung der mikroskopischen Anatomie als integraler Bestandteil der Ausbildung zum Mediziner. Sein Forschungsschwerpunkt bildete das Epithel und seine Derivate. So erkannte er, dass auch Blutgefäße von einer epithelartigen Zellschicht (heute: Endothel) ausgekleidet sind. Er analysierte den Bau des Tubulussystems der Niere und erkannte die Funktion der nach ihm benannten „Henle-Schleife“. Auch gilt er als Erstbeschreiber der inneren der beiden epithelialen Wurzelscheiden des Haares, die nach ihm benannt wurde und für die Regeneration des Haares von besonderer Bedeutung ist.

Digitalisierte Werke Jacob Henles

Fragen, Anregungen und Kritik bitte an Sara Doll

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