6.2.2026 Wiederentdeckter Palatina-Codex kehrt in den Vatikan zurück – auch dank Heidelberger Vermittlung

Die Vatikanische Apostolische Bibliothek hat eine kostbare Handschrift aus dem frühen 16. Jahrhundert erworben, die einst zur berühmten Heidelberger Bibliotheca Palatina gehörte. Der Codex galt seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert als verschollen und konnte nun identifiziert sowie für eine öffentliche Sammlung gesichert werden. Die Universitätsbibliothek Heidelberg war bei dem Erwerb vermittelnd tätig.

Bei der Handschrift handelt es sich um den Codex Palatinus Latinus 851, der 1623 als Teil der Bibliotheca Palatina von Heidelberg in den Vatikan gelangte. Bei einer Revision der vatikanischen Bestände im Jahr 1798 wurde der Band jedoch nicht mehr nachgewiesen. Erst jetzt konnte er eindeutig identifiziert werden und bleibt im Bestand der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek der Öffentlichkeit erhalten, ein bedeutender Zuwachs für die Überlieferungsgeschichte der Bibliotheca Palatina. Zuletzt war die Handschrift Teil einer privaten französischen Sammlung.

Wertvolle Handschrift mit Ottheinrich-Einband

Der lateinische Codex umfasst 115 Papierblätter sowie zwei Vorsatzblätter und enthält neben der „Historia Langobardorum” des Paulus Diaconus mehrere Heiligenviten, darunter Texte von Walahfrid Strabo und Wandalbert von Prüm. Die Handschrift entstand um 1500 in Süddeutschland, vermutlich im Raum Worms, und wurde von sechs Schreibern angefertigt.

Besonders hervorzuheben ist der kunstvolle Einband aus dem Jahr 1556, der eigens für Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz gefertigt wurde und dessen Porträt, Wappen und Devise zeigt (sog. Ottheinrich-Einband). Vergleichbare Einbände finden sich heute nur noch an wenigen Handschriften der Bibliotheca Palatina und gelten als herausragende Zeugnisse der Buchkunst der Renaissance.

Hinweis durch Klaus Graf und Vermittlung durch UB Heidelberg

Der Ankauf durch die Vatikanische Apostolische Bibliothek wurde möglich, nachdem der Archivar Klaus Graf den Band in einem Online-Katalog der Stuttgarter Antiquariatsmesse als den lange vermissten Cod. pal. lat. 851 identifiziert hatte. Er informierte die Universitätsbibliothek Heidelberg und ermöglichte somit die schnelle Kontaktaufnahme mit dem Vatikan. Der Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg, Dr. Jochen Apel informierte den Präfekten der Vatikanischen Bibliothek Mauro Mantovani über den Verkauf des Bandes durch die Wiener Antiquariatsbuchhandlung Inlibris. Die Universitätsbibliothek Heidelberg dankt Klaus Graf für seinen fachkundigen Hinweis und seine kollegiale Unterstützung. 

Der Codex wird Teil der virtuellen Bibliotheca Palatina

Der Codex wird derzeit in Rom begutachtet und soll anschließend digitalisiert werden. Damit wird er künftig Teil der virtuellen Bibliotheca Palatina, die in gemeinsamer Arbeit der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek und der Universitätsbibliothek Heidelberg entstanden ist.

Seit 2021 sind sämtliche Handschriften der Bibliotheca Palatina – sowohl die mehrheitlich lateinischen und griechischen Codices im Vatikan als auch die deutschsprachigen Bestände in Heidelberg – vollständig digital zugänglich. Mit der Digitalisierung des nun wiederentdeckten Pal. lat. 851 schließt sich eine weitere Lücke in dieser einzigartigen, virtuellen Rekonstruktion einer der bedeutendsten Bibliotheken der Renaissance.

Textseite aus dem Pal. lat. 851

Textseite aus dem Pal. lat. 851

Ottheinrich-Einband

Ottheinrich-Einband des Cod. pal. lat. 851