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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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IV. Was vom Leben übrig bleibt: Wege, Irrwege und Neuanfang



Links: Trauerfeier im Beisein aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Instituts sowie der Studierenden.
Rechts: Endgültiger Abschied – Die Urnen der Körperspender werden feierlich beigesetzt. (Photo: Philip Benjamin)

Ein Ort für Trauer und Dank – die Trauerfeier für die Körperspender

Die anatomische Leichenöffnung wird während des Wintersemesters im Präpariersaal vorgenommen. Da der pietätvolle Umgang mit den sterblichen Überresten der Körperspender wesentlich ist, wird jedes entfernte Körperteil und sogar jedes Gewebestück in einem individuellen Sarg gesammelt, der jedem einzelnen Spender zugeordnet ist. Am Ende des Kurses erfolgt die Einäscherung im Krematorium. Die Verweildauer eines Leichnams im Institut beträgt aufgrund der langen Dauer der Fixierung und der Sektion zwischen 12 und 24 Monate. Die Beisetzung erfolgt deshalb erst ein bis zwei Jahre nach dem Tod des Körperspenders. Für die Angehörigen und die Studierenden wird jedes Jahr im Juni ein ökumenischer Trauergottesdienst für die Körperspender in der evangelischen Peterskirche in Heidelberg-Kirchheim abgehalten. Anschließend findet auf dem Friedhof Heidelberg-Kirchheim in der Ehrengrabstätte der Universität Heidelberg die Beisetzung statt.

Die Trauerfeier

Zur Trauerfeier für die Körperspender werden deren Angehörige, alle am Präparationskurs beteiligten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Instituts sowie die Studierenden eingeladen. Die Petruskirche ist dabei immer bis auf den letzten Platz besetzt.

Neben den Geistlichen beider christlicher Konfessionen halten jeweils ein Dozent oder eine Dozentin und ein Studierender oder eine Studierende eine kurze Ansprache an die Trauergemeinde, in der sie neben ihrem Mitgefühl auch ihre Hochachtung für die Körperspender und deren Angehörigen ausdrücken. Den Höhepunkt der Trauerfeier bildet die feierliche Verlesung der Namen der Körperspender.

Ihren Abschluss findet die Zeremonie durch den gemeinsamen Gang der Trauergemeinde zum Friedhof, wo die Urnen der Körperspender schon beigesetzt wurden und ein letztes Aschegefäß symbolträchtig beigesetzt wird.

Bis zur Trauerfeier hatten es die Studierenden und Dozenten mit anonymisierten Leichen zu tun. Während der feierlichen Verlesung der Namen zünden die Studierenden für jeden Körperspender eine Kerze an oder stecken eine Blume in eine Vase. Durch diese symbolische Handlung wird für die Studierenden aus dem Objekt der anatomischen Studien wieder ein Subjekt, ein Verstorbener, ein ehemaliger Patient. Das Engagement der Studierenden bei der Gestaltung der Trauerfeier ist Ausdruck einer tiefen Dankbarkeit gegenüber den Körperspendern und deren Angehörigen, denen ihrerseits die hohe Wertschätzung der Studierenden vor Augen geführt wird. Die Angehörigen erfahren durch das Ritual Trost in ihrer Trauer, die nun auch einen Ort in der Ehrengrabstätte der Universität Heidelberg auf dem Friedhof in Kirchheim erhält.


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