Navigation überspringen
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek

II. Geschichte der Anatomie in Heidelberg im 19. und frühen 20. Jahrhundert



Links: Carl Gegenbaur
Mite: Vergleichende Studien zur Anatomie des Handgelenks und der Handwurzel von Wirbeltieren
Rechts: Handknochen eines Klammeraffen (Photo: Philip Benjamin)

Carl Gegenbaur (1826-1903) − Leiter des Instituts (1873-1901)

Carl Gegenbaur studierte in Würzburg Medizin und Naturwissenschaften und wurde 1851 promoviert. 1854 folgte die Habilitation. Zunächst Privatdozent, wurde er 1855 außerordentlicher und ab 1858 ordentlicher Professor für vergleichende Anatomie und Zoologie in Jena und hielt neben Vorlesungen zur allgemeinen und vergleichenden Anatomie sowie Zoologie auch zootomische und histologische Übungen sowie mikroskopische Demonstrationen ab. 1865 übernahm sein Freund Ernst Haeckel (1834–1919) den Lehrstuhl für Zoologie, so dass Gegenbaur sich auf die Anatomie konzentrieren konnte.

1873 erhielt er einen Ruf als ordentlicher Professor nach Heidelberg, wo er die Nachfolge seines Schwiegervaters Friedrich Arnold antrat. Gegenbaur bekleidete unter anderem das Amt des Dekans der Medizinischen Fakultät und war Mitglied im engeren Senat. 1899 wurde er Ehrenbürger der Stadt Heidelberg. Im Jahr 1901 ließ er sich emeritieren.

Gegenbaur war überzeugter Anhänger der Evolutionstheorie Darwins (18096–1882), beschäftige sich vor allem mit der Evolution und Morphologie der Wirbeltiere und gilt als einer der Mitbegründer der vergleichenden Anatomie.

Vergleichende Anatomie

Bei der vergleichenden Anatomie werden die Körpermerkmale der verschiedenen Spezies gegenübergestellt und auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersucht. Durch die Rückschlüsse aus den beobachteten Gemeinsamkeiten oder Abweichungen können anatomische Grundprinzipien erkannt werden, die artenübergreifend Gültigkeit haben oder Spezialisierungen darstellen. Die Nähe der Verwandtschaft zweier Arten zueinander bemisst sich am Grad ihrer morphologischen Ähnlichkeit.

Weisen Organe, Organsysteme, Körperstrukturen oder physiologische Prozesse, die auf den ersten Blick ganz unterschiedlich erscheinen, dennoch eine grundsätzliche Übereinstimmung auf, spricht man von Homologie. So lassen sich ihre gemeinsamen evolutionären Ursprünge oder ihre gemeinsamen Vorfahren bestimmen.

Grundlage seiner Forschungen zur vergleichenden Anatomie war für Carl Gegenbaur nicht zuletzt seine umfangreiche Sammlung, darunter zahlreiche Knochen von Tieren.

Im ersten Heft seiner „Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie der Wirbelthiere“ veröffentlichte Gegenbauer 1864 seine Studien zu Carpus (Handwurzel) und Tarsus (Fußwurzel) der Wirbeltiere. Dies war nur eine seiner zahlreichen über mehrere Jahrzehnte hinweg erschienenen Publikationen zur Morphologie der Wirbeltierskelette.

Porträt von Carl Gegenbaur in der Objekt- und Multimediadatenbank heidICON

Digitales Faksimile (Mitte)


zum Seitenanfang