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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek

100 Jahre Katalogisierung an der Universitätsbibliothek Heidelberg

Nach Inhalt, äußerer Form oder dem Ordnungssystem entstand an der Universitätsbibliothek Heidelberg in den letzten 100 Jahren ein komplexes Katalogesystem.

Stand 1905

Als das Gebäude der neuen Universitätsbibliothek 1905 der Benutzung übergeben wurde, waren die alphabetischen und systematischen Büchernachweise in so genannten Album- oder Bandkatalogen aufgeführt. Die Titelbeschreibung der Werke wurde handschriftlich auf Papierstreifen nach einem bestimmten Regelwerk angefertigt und dann, einem Briefmarkenalbum oder zeitgenössischen Photoalbum ähnlich, in rahmenartige Ausschnitte eingesteckt. Die 734 Bände des Alphabetischen Kataloges mit den Titelnachweisen bis 1935 stehen heute wieder im alten Katalogsaal der Universitätsbibliothek im Erdgeschoß.

Der Systematische Katalog als Spiegel der Buchaufstellung

Neben dem Alphabetischen Bandkatalog existiert ein Real-Katalog in Bandform (Systematischer Katalog nach Wissenschaftsfächern, geführt bis 1962), der nach den Buchsignaturen (den sogenannten „Zangemeister-Signaturen”) geordnet wurde und somit zugleich Standortkatalog war. Die „Zangemeister-Signaturen” gehen auf den Heidelberger Oberbibliothekar Karl Zangemeister zurück, der die Universitätsbibliothek von 1873-1902 leitete. Er teilte den gesamten Bestand in systematische Fachgruppen ein. Der Altbestand der Bibliothek ist noch heute nach diesem System aufgestellt. Dieser Systematische Katalog steht aus Platzgründen lediglich als Kopie jetzt noch auf der Galerie des Informationszentrums.

Der "Strumpfbandkatalog": Ein bibliothekarisches Kleinod

Der sogenannte "Strumpfbandkatalog" für Dissertationen, Programme und Broschüren erfaßte Literatur bis Erscheinungsjahr 1935, in 44 Systematikgruppen (pdf). Innerhalb dieser waren die Titel alphabetisch eingeordnet. Er umfaßt insgesamt 1.200 Bändchen mit ca. 586.000 Titeln. Den seltsam anmutenden Namen erhielt der Katalog nach der ursprünglichen Form, wobei die Titelnachweise auf Papierstreifen zwischen Pappe durch ein starkes Gurtband (deswegen "Strumpfband") zusammengehalten wurden.

Entwicklung nach 1905

Die Formalkatalogisierung erfolgte zunächst noch nach mündlich überlieferten Hausregeln, seit 1924 nach der unter Bibliotheksdirektor Dr. Sillib eingeführten „Katalogisierungsordnung (KO) der Universitätsbibliothek Heidelberg”, die sich an den „Instruktionen für die Alphabetischen Kataloge der Preußischen Bibliotheken vom 10. Mai 1899” (2. Ausgabe 1908), meist „Preußische Instruktionen” oder kurz „PI” genannt und der „Katalogisierungsordnung der Bayerischen Staatsbibliothek München”, orientierten.

Einführung der Zettelkataloge

Das Führen der Albumkataloge erwies sich mit der Zeit als nicht mehr praktikabel. Ab 1936 erfolgte der Nachweis aller neu erworbenen und ab 1936 erschienen Werke in Form eines Zettelkataloges. Die Katalogkärtchen lagen in der internationalen Standardnormgröße 75 x 125 mm vor. Um auch die Bestandsnachweise bis zum Erscheinungsjahr 1935 auf solchen Katalogkarten verfügbar zu machen, verfilmte die Universitätsbibliothek in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts die Aufnahmen des Alphabetischen Bandkatalogs. Anschließend kopierte man diese auf das Kartenformat und vereinigte die jeweils zusammengehörigen Teile des Alphabets beider Kataloge in einem Karteikasten.
Mitte der 80er-Jahre wurde das schon lange nicht mehr zeitgemäße Regelwerk „PI” durch die „Regeln für die alphabetische Katalogisierung: RAK” abgelöst. Die alphabetische Einordnung der Titel erfolgt hier nach der gegebenen Wortfolge.

Gesamtkatalog der Instituts- und Seminarbestände

Von 1973 ‒ 1991 wurde der Gesamtkatalog der Instituts- und Seminarbestände der Universität Heidelberg in Form eines Zettelkataloges geführt. Dieser Katalog mit 2,3 Mio. Titelnachweisen stand bis März 2010 auf der Galerie des Informationszentrums Altstadt. Der Katalog verlor durch verstärkt durchgeführte Retrokatalogisierungsmaßnahmen in den Institutsbibliotheken, die zum großen Teil abgeschlossen sind und dem zentralen Titelnachweis in HEIDI immer mehr an Bedeutung.

Systematischer Katalog nach Wechsel auf NC-Signatur

Von 1962/63 ‒ 1999 wurde der systematische Teil des Zettelkatalogs nach der Sachkatalogisierungs-Methode Eppelsheimer geführt. Es existierte ein systematischer Teil nach den verschiedenen Wissensgebieten (der systematische Teil für die "Kunst" steht heute noch auf der Galerie des Informationszentrums, IZA-EG), ein Regionenkatalog und ein Personenkatalog. Die Signaturenvergabe erfolgt nun unabhängig von der systematischen Einordnung durch Vergabe von Numerus-Currens-Signaturen nach Erwerbungsjahren. Seit 1999 erfolgt die Sachkatalogisierung nach den „Regeln für den Schlagwortkatalog (RSWK)”.

Elektronischer Titelnachweis

Im April 1978 wurde HEIDI (Heidelberger Bibliotheks-Informationssystem) als Großrechner-System eingeführt und bietet heute unter dem Bibliothekssystem SISIS die Komponenten Web OPAC, Ausleihe, Katalogisierung, Zeitschriftenverwaltung, Erwerbung und Fernleihe, einschließlich statistischer Auswertungen.
Heute stehen die alten Alphabetischen Kataloge der Universitätsbibliothek bis Erscheinungsjahr 1935 und 1936 - 1985 als sogenannte Imagekataloge weltweit über das Internet zur Verfügung. Hierfür wurden die Karten der Zettelkataloge gescannt und für die Suche aufbereitet.

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