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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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Georg Ludwig Kobelt (1804-1857)

Portrait Georg Ludwig KobeltGeorg Ludwig Kobelt kam am 12. März 1804 im badischen Kork zur Welt. Er war der jüngste von 3 Söhnen und fiel bereits in der Schule durch seine ausserordentliche Geduld und grosse Geschicklichkeit auf.

Im Herbst 1824 begann er, angeregt von seinem Bruder, an der Ruperto-Carola Universität in Heidelberg drei Jahre Rechtswissenschaften zu studieren. Das Studium schien dem praktisch veranlagtem Kobelt keinen rechten Spass zu bereiten, und so wechselte er 1827 zur medizinischen Fakultät, um dort sieben Semester Medizin zu studieren.

Am dritten September 1832 bestand er die Staatsprüfung in der Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe mit Summa cum laude. Ab April 1835 erwählte Tiedemann ihn zu seinem Prosektor. Anfang 1837 bekam er 500 fl aus dem Fond für Künste und Wissenschaft für eine wissenschaftliche Reise zur Verfügung gestellt, so dass er alle grossen anatomischen Sammlungen in Deutschland, in Leyden, London und Strassburg besichtigen konnte.

Kurz nachdem Kobelt seine Stelle in der Heidelberger Anatomie antrat, stellte Tiedemann einen weiteren Professor, Theodor Bischoff (1807-1882), ein. Bischoff war, wie bereits Vincenz Fohmann (1794 -1837) vor ihm, der Schwiegersohn von Tiedemann. Im Jahr 1841 wurden beide Männer in einen regelrechten Skandal um die Veröffentlichung eines Präpariersaalfundes verwickelt wurden. Bischoff und Kobelt waren, wie Adolf Kussmaul (1822-1902) in seinem Buch „Jugenderinnerungen eines alten Arztes“ zu berichten wusste, mit zu höchst unterschiedlichem Naturell ausgestattet.

Bischoff war ein starker, massiver Mann, der lieber verschlossene Türen aufstieß, als sie sachte aufzuschließen. Seine Vorlesungen galten eher als trocken. Ganz im Gegenteil zu Kobelt; er war stets ein enthusiastischer Lehrer, stellte mit Leidenschaft unzählige Lehrpräparate her, die er im Unterricht benutzte, um anschaulich und lebendig Anatomie zu lehren. Kobel war laut Kussmaul ein „dünnes, schwächliches Männchen, äußerst reizbar, ein kleiner Topf der rasch überschäumte.“ Trotzdem war er bei den Studierenden sehr beliebt, denn er förderte sie, auch finanziell, wo immer es ihm möglich war.

Im Jahr 1840 fanden Studierende im Präpariersaal weiß punktierte Muskeln, teilweise versetzt mit Knötchen. Beide Männer, Kobelt sowie auch Bischoff bestanden auf eine Erstveröffentlichung und gerieten darüber in große Zwietracht. Am 5.8.1840 mahnte Tiedemann beide schriftlich ab. Letztendlich musste Kobelt und nicht Bischoff, seine Stelle mit Alexander Ecker aus Freiburg tauschen. In Freiburg wurde Kobelt im Jahr 1847 Ordinarius der anatomischen Anstalt. Er starb zehn Jahre später am 18. Mai 1857 an den Folgen einer Tuberkulose.

Seine Zuneigung galt der makroskopischen Anatomie, der pathologischen Anatomie und nicht dem Mikroskop. Unter Tiedemann bereicherte Kobelt die hiesige Sammlung um viele, vorzüglich erstellte und künstlerisch anmutende anatomische Präparate. Als eines seiner Spezialgebiete galt die Erstellung von Knochenpräparaten.

Hier injizierte er zum Beispiel die Blutgefäße, eröffnete mit Hammer und Meißel das Felsenbein, um das Innenohr zu demonstrieren oder präparierte am Gesichtsschädel die Ausführungsgänge für Nerven und Gefäße. Einige noch im Institut vorhandene Knochenpräparate sind auf Grund dieser Beschreibungen sehr wahrscheinlich Kobelt zuzuordnen.

Bekannt wurde er jedoch durch seine Forschungen auf dem Gebiet der Entwickung der Geschlechtsorgane und des Nebeneierstockes, welche er in seinem Buch über den „Neben-Eierstock des Weibes, das längst vermisste Seitenstück des Neben-Hoden des Mannes“ im Jahr 1847 niederschrieb.

Fragen, Anregungen und Kritik bitte an Sara Doll

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