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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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Wie die Christen und die haiden miteinander stritten



Cod. Pal. germ. 90, Bl. 102r: Das gerüstete Fußheer der Christen trifft auf das Heer der Heiden, die neben Alltagskleidung teilweise Spitzhüte über Turbanen als Kopfbedeckung tragen. Ein getöteter Heide ist schon auf den Boden gestürzt, über ihm findet ein Zweikampf statt. Die Fahne mit Kreuz und die Fahne mit Spitzhut, die im Hintergrund an den aufgestellten Lanzen wehen, machen die beiden Lager kenntlich.

Wie die Christen und die haiden miteinander stritten

Die ganzseitige Darstellung, die der Textstelle vorausgeht, ist eher im Sinne eines allgemeingültigen Titelbildes für den Kampf der Heiden gegen die Christen zu verstehen. Denn dem Text nach wollten die Heere auf Anraten des Altvaters Apollonius Frieden schließen. Allein die Unversöhnlichkeit eines einzigen Heiden löste den Kampf aus, in dem dann auch, wie es Apollonius vorhergesagt hat, nur dieser ums Leben kommt.

Die unter dem Titel „Vitaspatrum“ versammelten Texte umfassen vor allem Lebensbeschreibungen der sogenannten Altväter, der Begründer von Mönchsgemeinschaften und erste Eremiten. Ein Grundstock entstand schon im 4./5. Jahrhundert und wurde im Laufe der folgenden Jahrhunderte um weitere Viten ergänzt. Im Spätmittelalter kamen volkssprachige Versionen auf, darunter im 14. Jahrhundert die alemannische Prosaversion. Insbesondere diese Fassung verbreitete sich auch außerhalb der Klöster in die Laiengesellschaft hinein.

Handschriften, die für den Gebrauch von Laien angefertigt wurden, erhielten offenbar häufiger Illustrationen, mit denen die im Vorderen Orient angesiedelten Geschichten der Altväter in plakativer Weise veranschaulicht wurden. Auch die vorliegende Handschrift, deren Erstbesitzerin vermutlich Margarete von Savoyen war, war für den Laiengebrauch bestimmt.

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