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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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heiEDITIONS - Heidelberger digitale Editionen
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heiEDITIONS Concepts: Eine Ontologie für heiEDITIONS


Arbeit an der Ontologie heiEDITIONS Concepts im Programm TopBraid Composer

Digitale Editionen sind ein dynamisches Feld, das sich einerseits durch die Absetzung gegenüber herkömmlichen Präsentationsmodi gedruckter Editionen profiliert, andererseits aber auch als Surrogat, Vorstufe, Ergänzung, Erweiterung oder dokumentarisches Materialarchiv mit dem gedruckten Buch verschiedene Symbiosen eingeht. Charakteristisch für digitale Editionen ist nach wie vor ihr Experimentalcharakter, der sowohl für zugrundeliegende editorische Paradigmata als auch für Präsentationsschnittstellen gilt. Für die Datenmodellierung findet das Regelwerk des XML-basierten De-facto-Standards der Text Encoding Initiative (TEI) eine weite Verbreitung. Mit steigendem Bewusstsein für die Wichtigkeit der Langzeitsicherung digitaler Editionen und deren Interoperabilität erhöhen sich auch die Anforderungen an die semantische Robustheit und die technische Normierung der TEI-kodierten Editionsdaten.

Die Heterogenität einzelner Editionsprojekte in der TEI-Anwendung erschwert allerdings massiv die Interoperabilität der erzeugten Editionsdaten. Hilfreiche Ansätze bestehen darin, innerhalb institutionell verankerter Editionsinfrastrukturen für eine semantische und technische Vereinheitlichung des TEI-Codes zu sorgen sowie die eigenen Standards nach innen und nach außen transparent zu dokumentieren.

Die aus einer Reihe digitaler Editionsprojekte hervorgegangene und an der UB Heidelberg angesiedelte Plattform heiEDITIONS stellt ein breites Spektrum schrifttragender Artefakte und edierter Texte unter ein gemeinsames Dach. Für die technische Realisierung dieser digitalen Editionen wurde in das Heidelberger Digitalisierungssystem DWork ein eigens entwickeltes Modul für die Verarbeitung und Visualisierung von TEI-Daten integriert. Da die Diversität der zugrundeliegenden TEI-Dateien eine unmittelbare Aufnahme in DWork in der Regel nicht erlaubt, gilt es, die gelieferten Daten in ein einheitliches „Hausformat“ umzuwandeln, das von den Visualisierungsfunktionen von DWork vollumfänglich unterstützt wird. An der UB Heidelberg wird ein derartiges Format, das sich als TEI-Anpassung (customization) versteht, aktuell unter dem Namen heiEDITIONS Schema entwickelt.

Selbst bei gegebener Konformität mit einem XML-Schema besteht aber gerade in der TEI-Community häufig das Problem, dass verschiedene Typologien editorischer Phänomene mit XML-Attributen abgebildet werden, deren Werte grundsätzlich frei wählbare Zeichenketten sind. So könnte beispielsweise das identische Phänomen der Kursivschrift am Element <hi> im Attribut rend mit den Werten it, italic oder italics beschrieben werden; der Wert comment im Attribut type am Element <note> könnte andererseits je nach Projektusus eine Notiz im Originaldokument oder einen editorischen Kommentar bezeichnen.

Dieser potenziellen Beliebigkeit und Vieldeutigkeit in der TEI-Anwendung soll in heiEDITIONS dadurch entgegengewirkt werden, dass im TEI-Code Attribute verwendet werden, deren Werte als URI-Pointer auf eindeutig definierte Konzepte im Sinne des Semantic Web verweisen. Die Definitionen dieser Konzepte werden künftig in der OWL-Ontologie heiEDITIONS Concepts verwaltet und sowohl menschen- als auch maschinenlesbar online veröffentlicht. Die Konzepte sollen dabei auf Deutsch und Englisch definiert, mit Normdaten wie GND, AAT und DBpedia versehen und im ontologischen Rahmen von CIDOC CRM verankert sein. Das heiEDITIONS Schema regelt die Verwendung einzelner URI-Verweise an Attributen und Elementen einer TEI-Datei.

Das Regelwerk sowie die technischen Schemata von heiEDITIONS Schema und heiEDITIONS Concepts dienen primär dem Einsatz in der hauseigenen Editionsinfrastruktur der Universitätsbibliothek Heidelberg. Erste beteiligte Editionsprojekte implementieren dieses Format bereits auch als ihre native Arbeitskodierung, sodass eine Migration der Editionsdaten vor der internen Verarbeitung in DWork nicht mehr notwendig ist. Dieser Weg soll künftig bevorzugt begangen werden, da er bereits in der Arbeitsphase eines Editionsprojekts zu einer klaren phänomenologischen und terminologischen Verständigung führt. Eine Verbreitung und Nachnutzung der Heidelberger Regelwerke und Schemata über heiEDITIONS hinaus ist ausdrücklich willkommen und erwünscht.

Die ersten Dokumentationen und technischen Dateien zu heiEDITIONS Schema und heiEDITIONS Concepts werden im Laufe von 2019 auf dieser Seite veröffentlicht.

Jakub Šimek, Universitätsbibliothek Heidelberg, Februar 2019

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