Urkunden

Die Universitätsbibliothek Heidelberg verfügt über insgesamt sechs Urkundenfonds, die zum Teil durch Regestenverzeichnisse, die sich im Handschriftenlesesaal (LSH) befinden, erschlossen sind, u.a. das Verzeichnis der Heidelberger Urkundensammlung (Heid. Hs. 4120).

Die ältesten Urkunden stammen aus dem 10. Jahrhundert, ca. 50 Prozent entfallen auf das 17. und 18. Jahrhundert. Das formale Spektrum reicht von päpstlichen Bullen über Kaiser- und Königsurkunden bis hin zu Urkunden des Adels, des Klerus, der Städte und ihrer Bürger. Geographisch liegt der Schwerpunkt in der Pfalz bzw. Kurpfalz und im Elsaß.

Heidelberger Urkunden („Alte Sammlung”)

426 Urkunden. Die sogenannte „Alte Sammlung”, die die Nummer 1-338 der „Heidelberger Urkunden” ausmacht, stammt aus dem Nachlass des 1829 verstorbenen Frankfurter Patriziers und Privatgelehrten Johann Carl von Fichard gen. Baur von Eysseneck (1773-1829). 1831, also zwei Jahre nach seinem Tod, fand in Frankurt die öffentliche Versteigerung seiner Bibliothek und der Urkundensammlung statt. Der Heidelberger Oberbibliothekar Joseph Bähr erwarb die Urkunden für 187 Gulden 15 Kreuzer.
Den Hauptteil der Sammlung bilden 185 zwischen 1121 und 1620 ausgestellte elsässische Urkunden, wobei Hagenau als Ausstellungsort am häufigsten vertreten ist. Es folgen die Erzbistümer Mainz und Trier mit 90 bzw. 66 Urkunden aus den Jahren 965-1574 und 929-1532. Der übrige Bestand stammt vorwiegend aus den Bistümern Worms und Speyer.
Einer der bekanntesten Benutzer der Sammlung war Friedrich Böhmer (1795-1863), Herausgeber der „Monumenta Germaniae Historica”, der etliche Urkunden für seine „Regesta Imperii” heranzog. Ein erstes Regestenverzeichnis von Max Perlbach erschien in der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Auf der Grundlage dieser Regesten erarbeitete Hellmut Salowsky von 1961-1973 ein Orts- und Personenregister.
In den Jahren 1882 bis 2013 wurde die „Alte Sammlung” um weitere Urkunden verschiedener Vorbesitzer ergänzt. Eine wissenschaftliche Erschließung steht hier noch aus.
 

Heidelberger Urkunden ("Alte Sammlung") - digital

 

Sammlung Batt

Die Sammlung umfasst 18 Urkunden aus dem Nachlass des Privatlehrers und Gelehrten Georg Anton Batt (1775–1839). Die Stücke stammen aus den Jahren 1417 bis 1652 und betreffen gut zur Hälfte die Geschichte von Heidelberg und Weinheim; die übrigen Stücke kommen aus Pfälzer Städten. Aussteller waren in erster Linie die Pfälzer Kurfürsten und deren Klientelfamilien.

Sammlung Batt - digital

Sammlung Barth

Der Maler Christian Friedrich Johann Barth hinterließ der Universitätsbibliothek, der Stadt und seinem Lyzeum den Teil seiner Sammlung, der mit der Pfalz und Baden im Zusammenhang steht. Neben Druckschriften erhielt die Universitätsbibliothek 294 Urkunden und eine Sammlung von Kupferstichen (Porträts und Ansichten).

Sammlung Barth - digital

Sammlung Lehmann

473 Urkunden und 162 autographe Urkundenabschriften vornehmlich zur Geschichte der Pfalz, die nach dem Tod des protestantischen Pfarrers Johann Georg Lehmann (1797-1876) 1877 in den Besitz der Universitätsbibliothek gelangten. Die Urkunden stammen aus der Zeit von 1151-1865. Unter ihnen befinden sich  36 Kaiser- und Königsurkunden aus den Kanzleien König Philipps von Schwaben bis hin zu Franz II. von Österreich sowie 50 päpstliche Bullen für pfälzische Klöster und Empfänger. Lehmann hatte selbst von den meisten Urkunden ein Regest angefertigt (Heid. Hs. 481), die Sammlung wurde jedoch Ende des 19. Jahrhunderts in der UB Heidelberg bearbeitet und ein ausführliches chronlologisches Regestenverzeichnis in drei Bänden erstellt (Heid. Hs. 2590). 1982 erschien ein Namensregister zur Sammlung Lehmann.
Aus dem Nachlass von Lehmann besitzt die UB außerdem umfangreiche Urkundenabschriften: "Ungedruckte Pfälzer Urkunden" (Heid. Hs. 430-437a); "Pfälzer Urkunden" (Heid. Hs. 492-509).
Heid. Hs. 437 enthält ein Register zu den "Ungedruckten Pfälzer Urkunden".

Sammlung Lehmann - digital

Sammlung Brondolo

100 italienische Urkunden aus dem italienischen, am Südende der Lagune von Venedig bei Chioggia gelegenen Kloster Brondolo (überwiegend venetianische Notariatsurkunden), die 1886 in den Besitz der UB Heidelberg kamen. Zuvor waren sie zusammen mit 300 weiteren Urkunden gleicher Provenienz im Generallandesarchiv Karlsruhe aufbewahrt worden. Der Heidelberger Professor für mittelalterliche Geschichte Eduard Winkelmann erbat sich die 100 Urkunden als Lehrmittel für Paläographie und Diplomatik. Sie stammen überwiegend aus dem 12. Jahrhundert. 85 der Urkunden liegen in einer kritischen Edition von Bianca Lanfranci Strina vor.

Sammlung Fischer

1.426 Urkunden, Briefe und Archivalien aus der Sammlung des Weinheimer Kaufmanns Ernst Fischer (1866-1951). Fischer betrieb bis 1913 in Weinheim eine Drogerie und zog dann nach Freiburg i.Br. um. Das Konvolut, das Fischer unter familiengeschichtlichen Aspekten zusammengestellt hatte, gelangte 1939 in den Besitz der Universitätsbibliothek. Schon zu Lebzeiten hatte Fischer ca. 450 Stücke seiner Sammlung publiziert. Die Sammlung enthält insgesamt über 3.000 Dokumente vom frühen 14. bis zum späten 19. Jahrhundert. Unter anderem handelt es sich um beträchtliche Reste des Archivs der Reichsgrafen von Ingelheim, die ihrerseits u.a. Archivalien der Familie Echter von Mespelbrunn geerbt hatten. Ein weiterer Teil des Nachlasses (mit Bezug zu Weinheim) wird heute im Stadtarchiv Weinheim aufbewahrt.