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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Mona Lisa – Heidelberger Fund klärt Identität

Die Datierung von Leonardos berühmtestem Gemälde und die Identifizierung der Dargestellten mit Lisa del Giocondo wird durch den Fund einer handschriftlichen Eintragung in einem Frühdruck der Universitätsbibliothek Heidelberg möglich.

Inkunabel mit handschriftlicher Eintragung zur Mona Lisa: Heidelberg, Universitätsbibliothek, D 7620 qt. INC.: Cicero, Epistolae ad familiares, Bologna 1477, Bl. 11a
LupeInkunabel mit handschriftlicher Eintragung zur Mona Lisa:
Heidelberg, Universitätsbibliothek, D 7620 qt. INC.:
Cicero, Epistolae ad familiares, Bologna 1477, Bl. 11a

Mona Lisa, Leonardo da Vincis Porträt einer jungen Frau, gilt als das berühmteste Gemälde der Welt. Die Identifizierung der Dargestellten mit Lisa del Giocondo, der Frau des Florentiner Kaufmanns Francesco del Giocondo, stützt sich von alters her auf die Angaben von Giorgio Vasari (1511-74), der in seinen 1550 erstmals erschienenen Künstlerviten als bisher einzige Quelle dem Porträt einen Namen gibt und zugleich eine ungefähre Datierung zwischen 1503 und 1506 erlaubt. Damit ist diese Identifizierung rund 50 Jahre jünger als ihr Gegenstand. Weil überdies Vasari für seinen Hang zum Anekdotischen bekannt ist, bestanden bis heute Zweifel an der Zuverlässigkeit seiner Angaben. Denn Leonardo selbst erwähnt die Mona Lisa in seinen Zeichnungen und Notizbüchern mit keinem Wort.

Spärliche Hinweise in anderen Quellen aus den Jahren 1517, 1525 und 1540 lassen große Interpretationsspielräume zu, so dass verschiedene andere Varianten der Identifikation existieren. Eine diskutierte Möglichkeit ist die Darstellung eines fiktiven Frauenbildnisses; ein von Leonardo ins Bild gesetztes Frauenideal.

Alle Zweifel an der Identität der Mona Lisa beseitigt eine Quelle, die Dr. Armin Schlechter bei der Katalogisierung eines Heidelberger Frühdrucks (Signatur D 7620 qt. INC) entdeckt und – mit einem Kurzkommentar versehen – im Katalog zur Inkunabelausstellung der Universitätsbibliothek im Mai 2005 publiziert hat. In der 1477 gedruckten Cicero-Ausgabe findet sich ein Vermerk des florentinischen Kanzleibeamten Agostino Vespucci, der Leonardo mit Apelles, dem größten antiken Maler, vergleicht und festhält, dass jener gerade an einem Porträt der Lisa del Giocondo arbeite. Vespuccis Marginalie von Oktober 1503 ermöglicht eine genaue Datierung des Gemäldes und bestätigt definitiv Vasaris Angabe von 1550, die Dargestellte sei Lisa del Giocondo.

Die detaillierte wissenschaftliche Verortung in der Forschungslandschaft steht seit 2005 aus. Verschiedene Aufsätze zu diesem Fund und seiner Bedeutung für die kunsthistorische Forschung sind zu erwarten.

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