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Universitätsbibliothek Heidelberg

Robert Schumann in Heidelberg

Inhaltsübersicht:
Studienzeit in Heidelberg
Schumann-Orte
Briefe aus Heidelberg
Biographien

Studienzeit in Heidelberg

Robert Schumann studierte vom Sommer 1829 bis zum Sommer 1830 Jura in Heidelberg. Er war am 21. Mai 1829 in Heidelberg angekommen und immatrikulierte sich - sehr spät - am 30. Juli 1829. Vgl. Die Matrikel der Universität Heidelberg (5. Teil), Link S. 395. Dies hatte finanzielle Gründe. Schumann bat seinen Vormund Gottlob Rudel (Link Brief vom 12.7.1829) dringend um Geld: „Ich habe noch kein Collegium, keine Inscription, kein Logis, keine Flügelmiethe bezahlt ...“ In einem späteren Link Brief (6.8.1829) beziffert er die Immatrikulationsgebühr auf 14 Gulden; das Matrikelbuch dagegen weist nur 7 Gulden und 20 Kreuzer aus.

Das nebenstehende Foto eines im Frühjahr 1830 in Heidelberg entstandenen Elfenbein-Medaillons zeigt Robert Schumann im Alter von 20 Jahren. Robert Schumann schrieb an seine Mutter: „Ich lasse mich jetzt in Miniatur malen — der neue, schöne, karmesinrote Fünfundachtziggulden-Mantel kommt auch darauf.“ (Zitat- und Bildquelle: Eugenie Schumann: Robert Schumann (1931), S. 128)

Schumann kam mit dem Vorsatz nach Heidelberg, sein Jurastudium wesentlich intensiver als in Leipzig zu betreiben. Er war zunächst über den Juraprofessor  externer Verweis Anton Friedrich Justus Thibaut des Lobes voll. „Was mich anbetrifft, so bin ich heiter, ja manchmal recht glücklich: ich bin fleißig und ordentlich; das Jus schmeckt mir bei Thibaut und Mittermayer excellent und ich fühle jetzt erst die wahre Würde der Jurisprudenz, wie sie alle heiligen Interessen der Menschheit fördert. Und Gott! dieser Leipziger Professor, der wie ein Automat auf seiner Jakobsleiter zum Ordinariat dastand, und geist- und wortarm seine Paragraphen phlegmatisch ablas — und dieser Thibaut, der, obgleich noch einmal so alt wie jener, von Leben, Geist überfließt und kaum Zeit und Worte genug hat, seine Ideen auszusprechen.“ (Link Brief an seine Mutter, 17.7.1829)
Besonders attraktiv waren Thibauts musikalische Aktivitäten. Er hatte einen Singkreis gegründet, der sich insbesondere der Musik Palaestrinas und Händels widmete. (Vgl.  Link Brief an die Mutter, 24.2.1830.) Doch waren Thibauts musikalische Ansichten — er sah Händel als den Gipfel des musikalischen Schaffens an — auch der Grund einer späteren Entfremdung. Schumann schrieb an Friedrick Wieck: „Gegen Thibaut bildet sich eine Opposition, in der ich auch mit figuriere. Sie glauben kaum, was ich bei ihm für herrliche, reine, edle Stunden verlebt habe und wie sehr seine Einseitigkeit und ernsthaft pedantische Ansicht über Musik bei dieser unendlichen Vielseitigkeit in der Jurisprudenz und bei diesem belebenden, entzündenden und zermalmenden Geist schmerzt.“ (Quelle: Eugenie Schumann: Robert Schumann (1931), S. 107)

Auch in Heidelberg betrieb Schumann sein Jurastudium recht nachlässig — aber immerhin erhielt er ein lobendes   Link Abgangszeugnis. Seine Zeit verbrachte er mit Ausflügen und romantischen Stunden, mit Klavierspielen und ersten Kompositionen, aber leider auch mit ekzessivem Trinken und Rauchen.

Am 24. Januar 1830 beteiligte sich Robert Schumann an einem Konzert im Heidelberger Museum. Er spielte die Alexander-Variationen (externer Verweis Noten) von externer Verweis Ignaz Moscheles. Die Konzerte der Heidelberger Museumsgesellschaft besuchte er häufig. Ostern 1830 hatte er Gelegenheit ein Paganini-Konzert in Frankfurt am Main zu hören, welches einen tiefen Eindruck auf ihn machte.

Im Sommer 1830 gab Robert Schumann das Jurastudium auf und strebte eine Pianistenlaufbahn an. Er schrieb seiner Mutter am   Link 30. Juli   und bat sie, seinen Leipziger Klavierlehrer externer Verweis Friedrich Wieck zu fragen, ob er ihn für einen Pianisten ausreichend befähigt hielt. Im positiven Fall wolle er umgehend nach Leipzig zurückkehren. Friedrich Wieck antwortete ihr: „Einstweilen so viel: Ich mache mich anheischig, Ihren Herrn Sohn, den Robert, bei seinem Talent und seiner Phantasie binnen 3 Jahren zu einem der größten jetzt lebenden Klavierspieler zu bilden, der geistreicher und wärmer wie Moscheles und großartiger als Hummel spielen soll.“ (Link Brief vom 9. August 1830)

Schumann-Orte in Heidelberg

Link   Wohnungen
Link   Studium und Gesellschaft
Link   Freunde
Link   Essen und Trinken

Briefe

Zahlreiche Briefe aus der Studienzeit schildern das Heidelberger Leben Robert Schumanns.
Die Briefe sind mehreren (s. unten Verzeichnis der Briefquellen) Sammlungen entnommen; die Rechtschreibung der Quelle wurde jeweils beibehalten.
Link   Juni 1828 an seinen Freund Gisbert Rosen
Schumann hofft Ostern 1829 nach Heidelberg kommen zu können.
Link   07.11.1828 an Gisbert Rosen
Schumann freut sich auf den Heidelberger Aufenthalt. Er rechnet offensichtlich damit, dass Rosen Heidelberg verlässt, denn er will dessen Logis übernehmen.
Link   30.04.1829 an Gisbert Rosen
Schumann kündigt seine Ankunft in Heidelberg für den 18. Mai 1829 an. Er teilt Rosen mit, dass auch der gemeinsame Freund Moritz Semmel nach Heidelberg kommen wird.
Link   24.05.1829 an seine Mutter
Der Brief ist sehr lang. Robert Schumann wird ihn am nächsten Tag fortsetzen. Er schildert seiner Mutter zunächst die Fahrt nach Frankfurt; dann beschreibt er sein Quartier „zwischen Irrenhaus und katholischer Kirche“.
Link   25.05.1829 an seine Mutter (Fortsetzung des Briefes vom 24. Mai)
Schumann schildert weiter seine Reise von Frankfurt nach Koblenz und dann über Mainz (wo er gerade noch über drei Gulden verfügt) nach Mannheim. Von dort wandert er zu Fuß nach Heidelberg.
Link   10.06.1829 an seinen Vormund Gottlob Rudel
Schumann bittet seinen Vormund — wie in jedem Brief an diesen — um Geld, insbesondere um einen Zuschuss zur geplanten Italienfahrt.
Link   12.07.1829 an seinen Vormund G. Rudel
Er bittet dringend um Geld. „Ich habe noch kein Collegium, keine Inscription, kein Logis, keine Fluügelmiethe bezahlt“.
Link   16.07.1829 an seinen Bruder Carl
Schumann schildert seine Italienreisepläne und bitten seinen Bruder um einen Zuschuss.
Link   17.07.1829 an seine Mutter
Schumann schildert, dass in Heidelberg die Studenten das öffentliche Leben prägen. „Der Student ist die erste und angesehenste Person um und in Heidelberg, welches einzig von ihm allein lebt“. Er beklagt auch, dass der Lebensunterhalt recht teuer ist.
Link   03.08.1829 an seine Mutter
Schumann schildert beredt, die Vorteile der geplanten Italienreise und bittet um einen Reisezuschuss.
Link   06.08.1829 an seinen Vormund G. Rudel
Schumann listet detailliert seine Heidelberger Lebenshaltungskosten auf.
Link   16.09.1829 aus Brescia an seine Schwägerin Therese
Schumann schildert eine Kaffeehaus-Episode aus Mailand.
Link   21.09.1829 aus Venedig an Gisbert Rosen
Schumann ist mal wieder pleite und muss seine Uhr verkaufen. Er bittet Rosen, ihm ein neues Quartier in Heidelberg anzumieten.
Link   04.10.1829 aus Mailand an Gisbert Rosen
Schumann erkrankte in Venedig und kehrte mit noch weniger Geld erstmal nach Mailand zurück.
Link   06.11.1829 an Friedrich Wieck
Schumann berichtet von seinen musikalischen Aktivitäten in Heidelberg sowie von Konzerten der Sängerin Pasta in Mailand. Er bittet Wieck, ihm Noten vor allen von Schubertschen Kompositionen zu schicken.
Link   11.11.1829 an seine Mutter
Schumann berichtet seiner Mutter von der Italienfahrt. Moritz Semmel hat Heidelberg verlassen, so dass von seinen alten Freunden nur noch Gisbert Rosen da ist. Er ist mit seinen musikalischen Leistungen unzufrieden, „aber die Jurisprudenz verknorpelt und vereist mich noch“ und mit seinem Studium noch unzufriedener.
Link   28.11.1829 an seinen Vormund G. Rudel
Schumann dankt für 100 Taler, die er am 25. Oktober erhielt.
Link   04.12.1828 an seine Mutter
Er berichtet, dass er von der Großherzogin Stephanie nach Mannheim zum Klavierspiel eingeladen wurde; außerdem nennt er einige Heidelberger Familien, in denen er verkehrt.
Link   12.02.1830 an seinen Bruder Julius
Schumann berichtet von Heidelberger Schlittenfahrten und Bällen und vom großem Erfolg seines Konzertes im Museum.
Link   24.02.1830 an seine Mutter
Er berichtet vom Thibautschen Singkreis, schildert seine Freunde und bittet, den Aufenthalt in Heidelberg um ein weiteres Semester verlängern zu dürfen. Außerdem klagt er über Geldnot.
Link   26.03.1830 an seinen Vormund G. Rudel
Schumann möchte noch ein weiteres Semester in Heidelberg bleiben.
Link   03.06.1830 an seinen Bruder Carl
Schumann bittet seinen Bruder dringlich um Geld
Link   21.06.1830 an seinen Vormund G. Rudel
Schumann muss noch dringend ein Repitorium sowie Kollegiengelder bezahlen und bittet um Geld.
Link   01.07.1830 an seine Mutter
„Meine Idylle ist einfach und zerfällt in Musik, Jurisprudenz und Poesie.“ Er schildert, dass seine Tage mit Klavierspiel, Juravorlesungen und Italienisch- und Englischlernen ausgefüllt sind. und zweifelt an seinen juristischen Fähigkeiten.
Link   Juli 1830 Schumanns Mutter an Robert Schumann
Schumanns Mutter regt an, Thibaut zu fragen, welchen Beruf er Robert Schumann anrät.
Link   30.07.1830 an seinen Vormund G. Rudel
Schumann bittet seinen Vormund, den inliegenden Brief, über dessen Inhalt er nichts verrät, seiner Mutter zuzustellen.
Link   30.07.1830 an seine Mutter
Robert Schumann will sein Studium abbrechen und sich endgütig der Musik zuwenden. „Jetzt stehe ich am Kreuzwege und ich erschrecke bei der Frage: wohin? — Folg' ich meinem Genius, so weist er mich zur Kunst.“ Er möchte aber seine Entscheidung vom Urteil seines Leipziger Klavierlehrers Friedrich Wieck abhängig machen. Nur wenn er, seine Aussichten positiv einschätzt, will er unverzüglich Leipzig zurückkehren. Er bittet seine Mutter, Wiecks Urteil einzuholen.
Link   07.08.1830 Schumanns Mutter an Friedrich Wieck
Schumanns Mutter bittet Friedrich Wieck, ihr unumwunden zu sagen, was ihr Sohn Robert als Pianist erreichen kann.
Link   09.08.1830 Friedrich Wieck an Schumanns Mutter
„Ich mache mich anheischig, Ihren Sohn Robert, bei seinem Talent und seiner Phantasie binnen 3 Jahren zu einem der größten jetzt lebenden Klavierspieler zu bilden.“ Friedrich Wieck fordert, dass Schumann auch die theoretische Ausbildung absolviert, die er früher immer vermieden hat. Er schlägt eine Probezeit von 6 Monaten vor. Falls die Entwicklung doch nicht wunschgemäß verläuft, ist nur ein halbes Jahr verloren.
Link   12.08.1830 Schumanns Mutter an Robert Schumann
Sie legt ihm Wiecks Antwortbrief bei und bittet ihn, sich sorgfältig zu prüfen, ob er die Wieckschen Auflagen erfüllen kann.
Link   21.08.1830 an Friedrich Wieck
In drei Wochen will Schumann in Leipzig sein, um bei Wieck die Ausbildung zu beginnen.
Link   21.08.1830 an seinen Vormund G. Rudel
Schumann teilt seinem Vormund mit, dass er sein Studium in Heidelberg abbrechen und die Pianistenausbildung bei Wieck beginnen will. Er bittet ihn — letztmalig — um Geld.
Link   22.08.1830 an seine Mutter
Schumann tröstet seine Mutter mit dem Hinweis, dass er als Jurist nur eine bescheidene Stellung hätte erringen können. Wenn die vereinbarte Probezeit von 6 Monaten erweist, dass er doch nicht ein hervorragender Pianist werden wird, kann er immer noch zur Jurisprudenz zurückkehren.
Link   18.09.1830 an seinen Vormund G. Rudel
Eine letzte dringliche Bitte um Geld.
Link   25.09.1830 an Dr. Ernst August Carus
In diesem Brief findet sich der erste Hinweis auf die Probleme des 4. Fingers beim Klavierspielen, die 1832 Schumanns Pianistenkarriere abrupt beenden.
Link   27.09.1830
Abschied von Heidelberg
Link   11.01.1831 an August Lemke
Schumann erinnert seinen Freund an die Heidelberger Zeit. „Spricht man von mir, von meinen Schulden, meinem Durchbrennen?“
Link   Verzeichnis der Briefquellen.

Biographien

Burger, Ernst:
Robert Schumann : e, Lebenschronik in Bildern und Dokumenten. - Mainz [u.a.] : Schott, 1998. - 355 S. : zahlr. Ill.
Signatur UB Heidelberg: 99 B 419
Dokumente und Bilder zum Heidelbergaufenthalt auf S. 72-91
externer Verweis Verlagsprospekt (PDF-Datei), S. 72-73 umfassend

Draheim, Joachim:
Robert Schumann in Heidelberg.
In: Musik in Heidelberg 1777-1885. - Heidelberg, 1885. - S. 144-180
Signatur UB Heidelberg: 85 A 7737

Schumann, Eugenie:
Robert Schumann : ein Lebensbild meines Vaters. - Leipzig : Koehler & Amelang, 1931. - 405 S. : Ill.
Signatur UB Heidelberg: G 1183-3-44
In den Kapiteln Robert auf Reisen und Der Tag bricht an! wird Robert Schumanns Heidelberg-Aufenthalt von 1829 bis 1830 geschildert.
Link   PDF-Bild-Datei (3,7 MB, 39 S.)

Schumann, Robert:
Tagebücher. - Leipzig : Dt. Verl. für Musik
Bd. 1. - 1827-1838 / hrsg. von Georg Eismann. - 1971. - 562 S. : Ill.
Signatur UB Heidelberg: 73 A 580::1
Insbesondere Hottentottiana. 4. Heft : 21.5.1829 - 1.4.1830, S. 197-243

Wasieliewski, Wilhelm J. von:
Robert Schumann : eine Biographie. - 3. wesentl. vermehrte Auflage. - Leipzig : Breitkopf & Härtel. 1887.
Signatur UB Heidelberg: G 1180-2
Insbesondere S. 38-64 aus dem Kapitel Robert Schumann's Jugend-, Lehr- und Studienjahre.
Link   PDF-Bild-Datei (2,7 MB, 32 S.)

Wasieliewski, Wilhelm J. von:
Schumanniana. - Bonn : Strauß, 1883. - V, 108 S.
Signatur UB Heidelberg: G 1182
Link   Auszug S. 76-88, Berichte von Schumanns Jugend- und Studiengenossen

externer Verweis Robert Schumann aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

externer Verweis Schumann in Heidelberg / von Hans-Martin Mumm im   externer Verweis www.schumann-portal.de

Link   Lebenslauf Robert Schumanns
Aus der Ausstellung Berühmte Alumni der Universität Heidelberg 2001 in der Universitätsbibliothek


Letzte Änderung 14.06.2011 Gabriele Dörflinger

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