Sofja Kowalewskaja
Studium 1869/70 in Heidelberg.Der Mathematiker Leo Koenigsberger berichtet im Kapitel Heidelberg 1869-75 seiner Autobiographie Mein Leben über die erste Begegnung mit S. Kowalewskaja:
Von großem Interesse war für mich, wie für die ganze naturwissenschaftliche Fakultät Heidelbergs das Erscheinen der Frau v. Kowalevsky unter den Studierenden unserer Hochschule. Als ich mich eines Tages im Direktorzimmer des mathematischen Instituts befand in Gesellschaft des Physikers Tyndall und des Geometers Hirst, die einigen meiner Vorlesungen beiwohnen wollten, trat eine junge, äußerst anmutige Dame ein wenig schüchtern in das Zimmer, stellte sich mir als Frau Sophie v. Kowalevsky vor und bat mich um die Erlaubnis, meine Vorlesungen hören zu dürfen. Damals war ein solches Gesuch ein unerhörtes novum; auf meine Frage, ob sie denn schon Mathematik getrieben habe, orientierte sie mich ein wenig über ihre Privatstudien. Als ich nun einen Augenblick unschlüssig dastand, da ich nicht wußte, wie Fakultät und Senat über diese Frage denken würden, nahm mich Tyndall, ein Freund weiblicher Schönheit, bei Seite, und meinte, über meinen philiströsen Rigorismus spottend, „wie kann man denn einer so schönen Dame etwas abschlagen wollen?“ Dies genügte mir momentan, um ihr die erbetene Erlaubnis zu erteilen.
Kowalewskaja, Sofja Wassiljewna (15.1.1850 - 10.2.1891)
Die bibliothekarisch korrekte Namensform ist
Kovalevskaja, Sof'ja V.
Im System HEIDI sind ausserdem folgende Verweisungsformen eingetragen:
Kowalewski, Sonja / Kowalewska, Sonja / Kowalewsky, Sonja / Kovalevskaia,
Sophie / Kovalevskaja, Sof'ja Vasil'evna / Kowalewskaja, Sofja /
Kovalevskaya, Sonya / Kovalevskaya, Sofya / Kovaleska, Sof'ja V.
Ihre Dissertation findet man unter dem Namen Kowalevsky, Sophie von
.
- Lexika (Printausgaben)
- Biographische Informationen
im Internet
gedruckte Biographien - Werk
- Bibliographien
Lexika
-
Brockhaus - Die Enyzklopädie. - 20. Aufl. - Leipzig
Bd. 12. KIR-LAGH (1996), S. 437 -
Kowalewskaja, Kovalevskaja, Sofja Wassiljewna, russ.
Mathematikerin,
* Moskau 15.1.1850, + Stockholm 10.2.1891; nach mathemat. Studien in Berlin (Schülerin von K. WEIERSTRASS), Heidelberg und Göttingen 1889 (als erste Frau) Prof. der Mathematik in Stockholm. Sie arbeitete v.a. auf dem Gebiet der Analysis, insbesondere über Existenz und Eindeutigkeit der Lösungen von Differenzialgleichungen. Daneben verfasste sie auch Arbeiten zur Physik und schilderte in literar. Form u.a. ihre Kindheit (»Vospominanija detstva«, 1890; engl. »A Russian childhood«) und ihre Situation als Frau. Sie gilt als wichtigste Vorkämpferin der Frauenemanzipation in den Wiss.en. - Mathematiker-Lexikon / Herbert Meschkowski
-
S. K. ist eine Tochter des russischen Generals KORVIN-KRUKOWSKY.
Ihre mathematische Ausbildung erhielt sie durch Privatunterricht, von
1870-74 durch WEIERSTRASS in Berlin. Promotion in Göttingen mit einer
Arbeit über partielle Differentialgleichungen. Später erhielt
sie eine Professur in Stockholm.
Die Generalstochter erhielt ihre ersten Anregungen zur Beschäftigung mit der Mathematik durch die Tapete ihres Kinderzimmers: Diese war eine Zeitlang mit Druckbogen eines Lehrbuchs der Infinitesimalrechnung beklebt (bevor die "richtigen" Tapeten eintrafen). Als sie sich 1870 als Privatschülerin bei WEISERSTRASS meldete, konnte sie sich schon durch Lösung schwieriger Aufgaben ausweisen. WEIERSTRASS erreichte für sie nicht die Erlaubnis, Vorlesungen an der Universität zu hören. So blieb es beim Privatunterricht. S. K. blieb WEIERSTRASS auch später in Freundschaft verbunden. Ihre Arbeiten zur Theorie der partiellen Differentialgleichungen und zur Kreiseltheorie sichern ihr einen Platz unter den Forschern des 19. Jahrhunderts. Sie ist zweifellos die begabteste Mathematikerin dieser Epoche. Für ihre Arbeit "Über einen besonderen Fall des Problems der Rotation eines schweren Körpers um einen festen Punkt" erhielt sie in Paris den "Prix Bordin", der "wegen der außerordentlichen Leistung" von 3000 auf 5000 Franc erhöht wurde. Die Stockholmer Universität ernannte sie daraufhin zum Professor auf Lebenszeit.
- Lexikon bedeutender Mathematiker / hrsg. von Siegfried Gottwald ... - Thun [u.a.], 1990. - S. 257
-
Kowalewskaja; Kovalevskaja; geb.
Korwin-Krukowskaja, Sofja (Sonja)
Wasiljewna: geb. 15. 1. 1850 Moskau, gest.
10. 2. 1891 Stockholm;
Mathematikerin, Schriftstellerin. — K. erhielt
eine gute
Ausbildung im Elternhaus und zeichnete sich früh
durch besonderes mathematisches Interesse aus. Mit
ihrer Schwester ANNA?, Teilnehmerin an den Kämpfen
zur Verteidigung der Pariser Kommune,
interessierte sie sich auch für fortschrittliche Ideen
und Bewegungen, einschließlich sozialdemokratischer.
Da ein Univ.-Studium für Frauen im Rußland jener
Jahre verboten war. heiratete sie 1868 V. O.
KOWALEWSKI (1842-1883), der später ein bekannter
russischer Gelehrter (Paläontologe) wurde und fuhr
mit ihm zum Studium nach Deutschland.
Zunächst
hörte sie in Heidelberg die Vorlesungen von
G. KlRCHHOFF, E. DU BOIS-REYMOND (1818-1896)
und H. HELMHOLTZ, kam 1870 nach Berlin und, weil auch
die Berliner Univ. das Frauenstudium verbot, bekam
sie privat Mathematikstunden bei K.
WEIERSTRASS. K. wurde eine seiner bekanntesten
Schülerinnen. 1874 promovierte sie mit einer Arbeit
zur Theorie partieller Differentialgleichungen in
Göttingen in Abwesenheit.
…
Volltext
Poggendorff, Dictionary of Scientific Biography — Annette Vogt
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Biographische Informationen
WWW-Biographien
Sofja Kowalewskaja : Mathematikerin, Schriftstellerin, Feministin /
Cordula Tollmien
Biographie vom St. Andrews Archiv
Biographie vom Agnes Scott College
Encyclopaedia Britannica
Encyclopaedia Britannica 1911
Wikipedia die freie Enzyklopädie
deutsch
englisch
Weitere WWW-Biographien
www.chantal-keller.de
www.berlinonline.de
www.mathematikerin.de
www.emba.uvm.edu [PDF]
Lebenslauf Sofja Kovalevskajas
aus der Ausstellung Berühmte Alumni der
Universität Heidelberg im Frühjahr 2001
www.ub.uni-heidelberg.de/allg/benutzung/bereiche/leben/sofja.html
The Mathematics Genealogy Project
Jugend
Erste Begegnungen mit
Mathematik / aus den Jugenderinnerungen S. Kowalewskajas
Heidelberg
Sonja Kovalevsky in
Heidelberg / aus den Erinnerungen Anne Charlotte Lefflers
| Sofja Kowalewskaja wohnte in Heidelberg in der
Unteren Straße 11 bei Professor Schliephake, wie
Leo Koenigsberger in seinen Erinnerungen Mein Leben im
Kapitel
Heidelberg 1869-75
ausführt.
Das Wohnhaus von Professor Schliephake wich in den siebziger Jahren einem Studentenwohnheim; nur das alte Tor ist noch erhalten. (Foto von H. Dörflinger) |
Berlin
Carl Weierstraß versuchte für S. Kowalewskaja die
Erlaubnis zu erwirken, an der Berliner Universität wie in
Heidelberg Vorlesungen zu hören. So schrieb er am
25.10.1870 an Leo Koenigsberger
Brief von C. Weierstraß
an L. Koenigsberger.
Leider waren die Bemühungen Weierstraß' vergeblich.
Er erteilte ihr dann drei Jahre Privatunterricht. Im Sommer 1874
kontaktierte er seinen ehemaligen Schüler Lazarus Fuchs,
der zu dieser Zeit Professor in Göttingen war, um S.
Kowalewskaja eine Promotion in absentia zu ermöglichen.
Briefe von C.
Weierstraß an L. Fuchs
Print-Biographien
Dictionary of Scientific Biography. - New York
Vol. 7, p. 477-480
UB: LSN B-AE 014
In 1869 the couple went to Heidelberg, where Vladimir studied geology and Sonya took courses with Kirchhoff, Helmholtz, Koenigsberger, and du Bois-Reymond.
- Adelung, Sophie von:
- Jugenderinnerungen an Sophie Kowalewsky
In: Deutsche Rundschau. - 89 (1896), S. 394-425
Volltext [PDF, 40,3 MB]
daraus
S. Kowalewsky in Heidelberg
UB: H 279-2::23: 3.1896-97 - Chalamajzer, Aleksandr:
- Sofia Kowalewskaja : die erste Professorin Europas. - Moskau, 1989.
- 128 S.
ISBN 978-5-03-001489-0
Math.Bibl.: Halam - Hofer, Klara:
- Sonja Kowalewsky : die Geschichte einer geistigen Frau. -
Stuttgart [u.a.], 1926. - 335 S.
[Anm.: Die Fakten werden recht großzügig durch Phantasie ergänzt; so wird Leo Koenigsberger in Heidelberg zu einem Professor Hoffmann.]
UB: G 6886-6-50 - Kovalevskaja, Sof'ja V.:
- Sofia Wassiliewna Kowalewsky : autobiographische Skizze /
übersetzt von Sophie von Adelung
In: Deutsche Rundschau. - 108 (1901), S. 152-160
digitalisiert durch Cordula Tollmien
daraus
Heidelberg
UB: H 279-2::27: 19.19011-01 - Leffler, Anne Charlotte:
- Sonja Kovalevsky : was ich mit ihr zusammen erlebt habe und was sie
mir über sich selbst mitgeteilt hat. - Leipzig : Reclam, [1894].
- 159 S.
Göttinger Digitalisierungszentrum
daraus
Sonja Kovalevsky in
Heidelberg - Tollmien, Cordula:
- Fürstin der Wissenschaft : die Lebensgeschichte der Sofja
Kovalevskaja. - Weinheim, 1995
Nicht mehr lieferbar
PH: K 8 A/581 - Tuschmann, Wilderich:
- Sofia Kowalewskaja : ein Leben für Mathematik und
Emanzipation / Wilderich Tuschmann ; Peter Harwig. -
Basel [u.a.], 1993
Nicht mehr lieferbar
Math.Bibl.: Tusch - Vogt, Annette:
- Wissenschaft und Persönlichkeit : Karl Weierstraß und Sonja
Kovalevskaja
In: Wissenschaftliche Zeitschrift Friedrich-Schiller-Universität Jena / Naturwissenschaftliche Reihe. - 37 (1988), S. 271-278
UB: ZSN 622 C::37.1988 - Walther, Nicola:
- S.V. Kovalevskaja und V.O. Kovalevskij in Heidelberg :
1869 - 1870. - Heidelberg, 1993
UB: 99 C 2164
Top
Werk
Schriften von S. Kovalevskaja in Heidelberg
- Jugenderinnerungen. - Frankfurt am Main, 1968
Göttinger Digitalisierungszentrum
daraus
Erste Begegnungen mit
Mathematik
UB: 2001 C 895 - Die Nihilistin. - Wien [u.a.], 1896. - VI, 142 S.
Einheitssacht.: Nigilistka <dt.>
Göttinger Digitalisierungszentrum
Leseprobe daraus
Frühling
UB: G 2496-30 - A Russian childhood. - New York : Springer, 1978
Einheitssacht.: Vospominanija detstva <engl.>
UB: 79 K 227 - Vospominanija i pisma. - Moskva, 1951
Sammlung
UB: Tschi 423 S - Zur Theorie der partiellen Differentialgleichungen, - Berlin, 1874
Goettingen, Univ., Diss., 1874
Volltext
UB: 35,535 - (Weierstrass, Karl:)
Briefwechsel zwischen Karl Weierstrass und Sofja Kowalewskaja. -
Berlin : Akademie Verl., 1993
Enth. Sammlungen von Weierstrass und Kovalevskaja
UB: 93 H 518
Literatur über das Werk Sofja Kovalevskajas
- Klein, Felix:
Sonja Kowalevsky
In: Vorlesungen über die Entwicklung der Mathematik im 19. Jahrhundert. - 1 (1926), S. 293-295
Göttinger Digitalisierungszentrum
UB: L 234::24,1.1926- Koblitz, Ann Hiber:
- A Convergence of lives : Sofja Kovalevskaia: scientist, writer,
revolutionary. - New Brunswick, 1993
UB: 2001 H 228 - Mittag-Leffler, Gösta:
-
Weierstrass et Sonja Kowalewsky (HeiDOK)
[PDF-Image-Datei: 56 MB, 67 S.]
In: Acta mathematica. - 39 (1923), S. 133-198
UB: L 15-6::39.1923 - Weierstraß, Carl:
-
Brief an
Lazarus Fuchs vom 27.6.1874 bezgl. der Dissertation S.
Kowalewskajas
UB: L 15-6::39.1923
Verzeichnis der Bibliothekssigel
Auf Sofja Kovalevskaja bezieht sich die Begriffsbildung Cauchy-Kovalevskaya theorem , wie man sie auch in der Mathematics Subject Classification finden kann.
Sucht man im Zentralblatt MATH nach Titeln, die das Wort Kovalevskaya enthalten, wird man mehr als 140 Treffer (Juni 2008) finden.
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Bibliographien
Biographisch-literarisches Handwörterbuch / J. C. Poggendorff. - Leipzig
Bd. 3 (1898), S. 745 (Kowalewsky, Sophie)
Bd. 4 (1904), S. 797 (Kowalevski, Sophie)
UB-Signatur: LSN B-AE 002 und LSA Nat-A 001
Anfrage an
Zentralblatt MATH
bezüglich So* Kovalevskaja.
Weitere Sekundärliteratur findet man mit der Titelsuche
So* Kowalewsk*.
Letzte Änderung: 23.04.2013 Gabriele Dörflinger
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