Navigation überspringen
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek

{ Kein Titel! }

Das Grab Moritz Cantors und seiner Familie

Das Grab Moritz Cantors befindet sich im Feld IV (Erwachsene) des Heidelberger Bergfriedhofs links auf dem Weg von der Kapelle zum Verwaltungsbau.
Hier ruht in Gott
Geh. Hofrat Prof.
Dr. Moritz Cantor
   23. Aug. 1829,
     9. April 1920.

Es folgt die von Moritz Cantor selbst entworfene Inschrift:

Zu lang geliebtes Weib,
Liess ich Dich auf mich warten
Noch heute folgt mein Leib
Dir nach in Gottesgarten.
Cantors Frau Telly verstarb bereits 1873 an den Folgen der Geburt ihrer Tochter. Über ihr Grab konnte ich nichts in Erfahrung bringen. Vor dem großem Grabstein findet man drei kleinere Platten für weitere Familienangehörige Moritz Cantors (Link Foto).
  • für den Sohn und die Schwiegertochter
    Dr. Otto Cantor
    1869 - 1920

    Adele Cantor
    geb. Tobias
    1875 - 1959

    Sein Sohn Otto studierte vom Sommersemester 1889 bis zum Wintersemester 1890/91 in Heidelberg Jura. Im Link Matrikelbuch der Universität Heidelberg wurde er am 4. Mai 1889 eingetragen; als seine Konfession ist dort ev. angegeben. Er verstarb drei Tage vor Moritz Cantor, dem man den Tod des Sohnes nicht mehr mitteilte. Otto Cantor hatte eine Tochter namens Telly, die 1929 als Chemiestudentin an der 100-Jahrfeier für Moritz Cantor teilnahm.
  • für den Schwiegersohn und die Tochter
    Dr. Rudolf Horn
    * 29.3.1878   † 6.4.1939

    Cläre Horn
    geb. Cantor
    * 31.5.1873   † 16.6.1951

    Rudolf Horn kam aus Leimen und studierte vom WS 1896 (vgl. Link Matrikelbuch, Nr. 272) bis zum WS 1899/1900 (vgl. Link Adressbuch der Universität) in Heidelberg Chemie. Er wurde Professor an der Heidelberger Mädchenrealschule, dem heutigen Hölderlingymnasium. Von 1929 bis 1933 war er Abgeordneter der Deutschen Volkspartei im Badischen Landtag. In dieser Eigenschaft unterzeichnete er auch den Aufruf gegen Emil J. Gumbel. (Vgl. Link Christian Jansen: Der „Fall Gumbel“ und die Heidelberger Universität, S. 49.)
    Die Hochzeit mit Claire Cantor fand in der Woche vom 8. bis 13. August 1904 während des III. Internationalen Mathematiker-Kongresses in Heidelberg statt. Lothar Heffter bemerkt in seinem Kongressbericht: Wurde doch im Hause von M. Cantor während der Kongresswoche sogar eine Hochzeit gefeiert! (externer Verweis Jahresbericht der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, Bd. 13 (1904), S. 514.) Das externer Verweis Hochzeitsalbum wird im Generallandesarchiv Karlsruhe verwahrt.
    In den Heidelberger Adressbücherns ist Rudolf Horn von 1905 bis 1907 als Lehramtspraktikant im Haus Moritz Cantors Gaisbergstr. 15 eingetragen; im Zeitraum von 1908 bis 1915 wohnte er nicht in Heidelberg; von 1917 bis 1931 finden wir ihn in der Link Friedrich-Ebert-Anlage 60 (damals Leopoldstr. 60). 1932 zieht er in die Dantestr. 16 (damals Kronprinzenstr.). Ab 1933 wiederum ist er nicht mehr in Heidelberg nachgewiesen. Da er gemäß den Angaben des Generallandesarchivs zuletzt Schulleiter in Emmendingen war, ist er mutmaßlig 1933 nach Emmendingen umgezogen.
    Seit dem Tode Cantors bis 1932 ist er im Heidelberger Adressbuch als Besitzer der Cantor'schen Villa in der Gaisbergstr. 15 eingetragen. Danach lautet der Eintrag bis 1941 Cantor Moritz Erben. 1942 wird das Haus an einen Dr. Alois Boden, prakt. Arzt in Landstuhl (Pfalz) verkauft.

    Rudolf Horns externer Verweis Nachlass befindet sich im Generallandesarchiv Karlsruhe; ebenso Unterlagen zu den Wiedergutmachungsverfahren seiner Witwe (sie stammte ja aus einem jüdischen Elternhaus) und seines Sohnes Otto-Hans.
    Siehe auch Link Notizen Nachlass Rudolf Horn.

  • für den Enkel und seine Frau
    Dora Horn
    geb. Sommer
    * 27.6.1906   † 16.2.1996

    Otto-Hans Horn
    * 3.11.1906   † 7.9.1996

    Otto-Hans Horn, der Sohn von Rudolf und Claire Horn ist in den Heidelberger Adressbüchern von 1933 bis 1936 als Apotheker in Rohrbach mit der Anschrift Am Rohrbach 13 eingetragen.

Im Heidelberger Tageblatt erschien am Samstag, den 10. April 1920 auf S. 12 die Todesanzeige Moritz Cantors:

Statt jeder besonderen Anzeige.
Seinem vor drei Tagen verstorbenen einzigen
Sohne folgte heute nacht unser lieber, unvergeßlicher
Vater, Großvater, Schwiegervater und Onkel
Geheimer Hofrat
Professor Dr. Moritz Cantor
im Alter von 90 Jahren im Tode nach.
Cläre Horn, geb. Cantor
Prof. Dr. Rudolf Horn
Adele Cantor, geb. Tobias
und 3 Enkel

Heidelberg (Gaisbergstr. 15), den 10. April 1920.

Die Beerdigung findet Dienstag vormittag 11 Uhr von der
Friedhofskapelle aus statt. — Von Kranzspenden und Beileids-
besuchen bittet man absehen zu wollen.

Am Montag, dem 12. April 1920 folgte auf S. 6 die Traueranzeige der Math. Nat. Verbindung Markomannia.

Am 10. April verschied unser
liebes Ehrenmitglied
Geheimer Hofrat
Prof. Dr. Moritz Cantor.
Der Verstorbene war uns ein mit
Wort und Tat stets hilfsbereiter
Gönner und väterlicher Freund;
sein Name ist mit der Geschichte
der Korporation unauslöschlich
verbunden.
Die Math. Nat. Verb. Markomannia
Für den A.H.V.:
Prof. Dauß
Für die Aktivitas:
Treiber × × F.V.


Letzte Änderung: 12.5.2014
Redaktion und Fotografien: Gabriele Dörflinger

Zur Inhaltsübersicht     Hinweis Fachinformation Mathematik     Hinweis Homo Heidelbergensis     Hinweis Moritz Cantor

zum Seitenanfang