Dorn Lothar: Im Jahre 1973 veröffentlichte der damalige Kaplan Hw. Herr Norbert Schmitt eine Arbeit unter dem Titel: ,,Jakob Curio - der größte Sohn Hofheims... ''. Wenn er zu Beginn seiner Abhandlung schreibt: Aus Curios Geburtsstadt Hofheim wäre wohl niemand auf diese Ergänzung (daß nämlich Curios Geburtsstadt nicht Hof, sondern Hofheim ist; die Red.) gekommen, denn Hofheims größter Sohn und seine Bedeutung ist dort praktisch unbekannt, so mag er zur damaligen Zeit recht gehabt haben.
Inzwischen aber bildete sich unter Leitung von Studiendirektor i. R. Roland Barthel ein Arbeitskreis ,,Stadtgeschichte'' der Volkshochschule Hofheim, der sich intensiv mit der Vergangenheit Hofheims und seiner berühmten Söhne beschäftigt. Kaplan Schmitt ist es zu danken, daß er mit seiner Arbeit viele Daten aus dem Leben Curios zusammengetragen hat und so den Grundstock für weitere Forschungen legte. Vor allem Kaminkehrermeister Paul Berthel schuldet der Arbeitskreis Dank, daß er durch Ausnutzung seiner vielfältigen Beziehungen zu Archiven und Universitätsmitarbeitern weitere interessante Einzelheiten aus Curios Leben den bereits bekannten Daten hinzufügen konnte.
Jakob Curios Leben im Zahlenspiegel: 1497 geboren in Hofheim. 1514 Immatrikulation als Student an der Universität Heidelberg. 1515 Baccalaureus (Philosophische Fakultät Heidelberg), zwischen 1515 und 1525 Magister, 1525 Vizekanzler der Universität Heidelberg, zwischen 1525 und 1540 naturwissenschaftliches und medizinisches Studium an der Universität Ingolstadt und Erwerb des akademischen Titels Doktor der Medizin. 1540 Professor der Medizin an der Universität Mainz. 1545 Rektor der Universität Mainz. 1547 Professor der Mathematik an der Universität Heidelberg. 1550 Professor der Medizin an der Universität Heidelberg. 1560 Dekan der medizinischen Fakultät und Vizekanzler der Universität Heidelberg. Todestag: 1. Juli 1572 im Alter von 75 Jahren in Heidelberg. Beerdigung in der Sankt Peterskapelle der Heidelberger Universität.
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| Das im Band der Heidelberger Inschriften beschriebene falsche Wappen Curios |
Curios Wappen nach Siebmacher |
Der berühmte Haßfurter Mathematiker und Astrologe Johannes Virdung war ein Onkel Curios, sein Freund, Lehrer und Mäzen. Kehl schreibt in seiner Chronik der Stadt Haßfurt, daß Virdung mit seinen Schülern Apollinarius Werneth und Jakob Curio, der Virdungs Werke zusammenfaßte, an deutsche, französische, dänische und ostische Universitäten zog und dort lehrte. Zur gleichen Zeit lebte und wirkte auch der in Wipfeld bei Schweinfurt geborene berühmte Humanist Konrad Celtis (1459 bis 1508), ein Schüler Agricolas, Johannes Cuspinian, der - in der Reichsstadt am Main geboren - die Schweinfurter Lateinschule besucht hatte und die aus Ferrara stammende, hochgebildete Frau des Schweinfurter Stadtarztes Andreas Grundler, Olympia Fulvia Morata. Unser berühmter Landsmann Regiomontanus aus dem benachbarten Königsberg war nur knapp 20 Jahre vor Curios Geburt gestorben (1436 bis 1476). Welche Häufung berühmter Humanisten auf engstem Raume!
Die Universität Heidelberg scheint eine magische Anziehungskraft für Hofheims große Söhne gehabt zu haben. So studierte der in Hofheim geborene hochstiftisch-würzburgische Vizkanzler und bischöfliche Rat Dr. Johannes Balbus Mitte des 16. Jahrhunderts in Heidelberg, ebenso der gebürtige Hofheimer Professor Dr. phil. Carl Alfred Osan Mitte des 19. Jahrhunderts.
Werke Curios: Ein zweibändiges Geschichtswerk mit einer Abhandlung über den Ursprung der Franken (1567). Ein Buch über Pomponius Gauricius und dessen Ansichten über die verschiedenen Aspekte der Bildhauerei. Dialog ,,Hermotimus'': über Medizin, Alchemie und naturkundliche Einsichten des Th. B. v. Hohenheim, genannt Paracelsus. Ein Werk über Hippokrates. Und viele Briefe, die in Humanistenart den Adressaten zur Diskussion über gelehrte Themen herausfordern. Ferner eine Sammlung der Werke Virdungs, die Curio in Verehrung seines berühmten Lehrers und Verwandten herausgab.
Wer könnte ehrendere Worte für Curio und sein Werk finden, als der Verfasser seiner Grabinschrift, die im lateinischen Wortlaut und dann in deutscher Übersetzung folgen möge:
Deutsch: Dieser Stein deckt die sterblichen Überreste Curios, eines Mannes von edler Gesinnung und gebildet auf vielen Gebieten - Hauptzierde unserer hohen Schule, an der er des Eudoxus [Eudoxus von Knidos, dort geb. 408, gest. 355 in Athen, griechischer Astronom und Philosoph, Schüler Platos. Seine Theorie der Planetenbewegungen übte großen Einfluß auf die gesamte antike Astronomie aus. Erkannte die Krümmung der Erdoberfläche und begründete die wissenschaftliche Stereometrie.] und des Podalirius [Podalirius, Podaleirios, ursprüngl. wohl selbständige Heilgottheit, Sohn des Asklepios, berühmter Arzt der Griechen vor Troja.] Wissenschaft lehrte und erfolgreich bemüht war, viele Schüler darin zu unterweisen, bis der Tod ihn im hohen Alter von 75 Jahren daran hinderte. Lebe wohl für ewige Zeiten, bis Du dereinst heimkehrst in Deinen Leib hier, geliebter Jakobus! Bis dahin möge uns Gott viele Gutgesinnte schenken und Deinesgleich, damit eine geringere Menge von Übeln uns plage. Er starb am 1. Juli im Jahr des Herrn 1572.
Lit: Schmitt Norbert: Jakob Curio - Der größte Sohn Hofheims, Philologe, Mathematiker, Arzt, Humanist, Literaturfreund - in Heidelberg beerdigt. In: Bote vom Haßgau, 1973.1. VIII. - Neumüller-Klauser Renate: Die Inschriften der Stadt und des Landkreises Heidelberg (Stuttgart 1970) 186 (dort das Wappen Curios falsch beschrieben) - Wieland Michael: Beiträge zu einer Geschichte von Hofheim und seiner Filialen (Verb. Aufl. Hofheim 1905) - Kehl Josef: Chronik der Stadt Haßfurt (Würzburg 1948) - Stadtarchiv Hofheim nach Schmitt Norbert: Roth, Jakob Hoffmann.
In der Peterskapelle zu Heidelberg wurde auch die 1555 in der Residenzstadt am Neckar gestorbene Huministin Olympia Fulvia Morata (geb. 1529 in Ferrara) begraben, die 1550 - 1554 in der Reichsstadt Schweinfurt als Gattin des Stadtarztes Dr. Andreas Grundler gelebt und einen humanistischen Zirkel gegründet hatte (Saffert Erich: Grabstein und Kupferstichportrait der Olympia Fulvia Morato in Heidelberg. In: die mainleite. Mitteilgsbl. des Histor. Vereins u. d. Volkshochschule Schwft. 7-1956, 107-10).
Fotos: Häffner, Hofheim
Dieser Beitrag erschien in leicht veränderter Fassung im ,,Bote vom Haßgau'' (Hofheim) 1979, 17. III.
Apotheker Lothar Dorn, Haßgau-Apotheke, 8729 Hofheim/Ufr.
Anmerkungen zur Internetausgabe
Der Beitrag wurde mit Erlaubnis der Witwe des Verfassers neu im Internet herausgegeben. Hierzu wurde der Text des Beitrags durch ein Texterkennungsverfahren wiedergewonnen.
Mit Ausnahme der Curio-Medaille, die aus Tafel 22, 6 von Bd. 1-3 (1901-03)
der Frankfurter Münzzeitung stammt, wurden alle Abbildungen
übernommen.
Letzte Änderung: 11.08.2006 Gabriele Dörflinger
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