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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek

Projektbeschreibung

'Die Malerwiese' von Bruno Paul aus: Jugend 1897, Bd.1, Nr. 19, S. 301

Die beiden von der DFG geförderten Projekte „Digitalisierung und Erschließung illustrierter Kunst- und Satirezeitschriften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ (2009-2013) sowie „Die europäische Perspektive: Digitalisierung und Erschließung ausländischer Kunst- und Satirezeitschriften des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ (2013-2015) haben die Digitalisierung, webbasierte Bereitstellung und Erschließung von europäischer Kunst- und Satirezeitschriften des 19. bis frühen 20. Jahrhunderts zum Gegenstand. Ziel des Vorhabens ist nicht nur die Realisierung eines uneingeschränkten digitalen Zugangs zu diesem bedeutenden historischen Quellenmaterial sondern auch die inhaltliche Tiefenerschließung von Text und Bild. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Erstellung von Metadaten, die die automatisierte Übernahme in überregionale Nachweisinstrumente und Portale ermöglichen.

Inhalte

Bei der Titelauswahl stand neben der wissenschaftshistorischen Bedeutung insbesondere die forschungspraktische Nutzungsmöglichkeit als weiteres Kriterium im Vordergrund. Häufige Anfragen auf Nutzung dieser wichtigen Quellenwerke, die zu großen Teilen nur im Handschriftenlesesaal der UB genutzt werden können, ließen deren Digitalisierung auch unter dem Gesichtspunkt der Bestandserhaltung und −sicherung als dringend notwendig erscheinen.

Die als Zeitschriften des Jugendstils gefasste Gruppe sind um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstanden und stellen in ihrer Gesamterscheinungsform, sowohl in ihrer inhaltlichen Ausrichtung als auch in der formal-ästhetischen Aufmachung, einen neuen Typus bibliophiler Zeitschriften dar, die dem eigenen Anspruch nach, zeitgenössische ästhetische Ideen vermitteln wollten. Die deutschsprachigen Kunstzeitschriften, wie z.B. die „Jugend“, der „PAN“, „Ver Sacrum“ oder die „Graphischen Künste“, trugen wesentlich zum Bekanntwerden der Tendenzen des Kunstschaffens außerhalb Deutschlands und Österreichs bei.

Internationale Kontakte der Kunstpublizisten intensivierten die gegenseitige kulturelle Befruchtung zwischen den europäischen Ländern. Sie „veröffentlichten“ Kunst und trugen zur Popularisierung und Verbreitung von neuen Ideen und Konzepten bei. Oft waren sie in ihrer bewusst gestalteten Aufmachung selbst die besten Beispiele für diese Kunst. Indem sie auch das theoretische Element einbrachten, also Essays, Rezensionen, kritische und wissenschaftliche Texte aufnahmen, förderten sie darüber hinaus die Reflexion über die zeitgenössischen Strömungen und bereiteten deren Aufnahme in den kunstgeschichtlichen Kanon vor. In dieser spannenden Doppelrolle als Zeugnis und Faktor der Zeit haben diese Zeitschriften bis heute nichts von ihrem Reiz verloren.

'Triumph des Realismus' aus: Jugend 1896, Bd. 1, Nr. 25In ihrer Gesamtheit sind diese Kunstzeitschriften von besonderer Bedeutung für die Illustrationskunst um 1900. Die Illustration erfüllte nicht allein die Rolle des Bildes zum Text, als Sinnergänzung oder Text begleitender Schmuck; sie übernahm nun einen eigenständigen Part. Während sich die Kunstperiodika vom Beginn ihrer Existenz bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts in der Hauptsache informierend und referierend geäußert hatten, entwickelte sich jetzt ein neuer Stil. Gezielte Polemik gegen ideologische Gegner, pädagogisch gefärbte Artikel zur Erklärung der neuen Kunst und die Präsentation dieser Kunst in möglichst zahlreichen Illustrationen waren hierfür die Mittel.

Die sich im 19. Jahrhundert verbreitenden Satirezeitschriften behandelten als Publikumszeitschriften ein breites Themenspektrum: Sie thematisierten das Streben nach Parlamentarismus und Demokratie in ganz Europa, sie zeichneten ein Bild von den politischen Parteien und nahmen alle Bereiche der Gesellschaft unter die Lupe. Im flexiblen Medium der Zeitschrift konnten sich neue Formen der Gestaltung entwickeln: Neben den satirischen Text trat jetzt das entsprechende Bildmedium, die Karikatur. So erlebte im 19. Jahrhundert vor allem die politische Karikatur in Zeitungen und Zeitschriften eine Blütezeit. Sie thematisierten das aktuelle innen- und außenpolitische Geschehen im Bild, nahm durch überzeichnende Darstellung dazu Stellung und wurden so zu einer Art Stimmungsbarometer für das gesellschaftliche Klima der Zeit.

Karikaturen sind im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit das wichtigste Medium in dem sich der öffentliche Diskurs artikuliert. Satirische Zeichnungen wurden von Künstler gezeichnet und vielfach von Kunstsammler gekauft und aufbewahrt. Es ist daher nicht überraschend, dass Künstler, Kunstrezipienten und der Kunstbetrieb ein bevorzugtes Thema der Karikatur sind. Derartige Karikaturen sind eine hervorragende Quelle für die Kunstgeschichte, die bislang allerdings wegen der mangelnden Erschließung des umfangreichen Materials kaum verwendet wurde.

Neben den bereits digitalisiert vorliegenden Zeitschriften „Kladderadatsch“, „Ulk“ und „Simplicissimus“ werden im Rahmen des Projekts das reich illustrierte, humoristisch-satirische Wochenblatt „Fliegende Blätter“, die vielgelesenen sozialdemokratischen Satirezeitschriften „Der Wahre Jacob“ und „Lachen links“ sowie der in der Traditioin des stehende „Simplicissimus“ „Simpl“ erschlossen. Da die UB Heidelberg über eine kleine Gruppe seltener französischer Satirezeitschriften verfügt, wurden auch diese in das Projekt aufgenommen.

Neben diesen beiden Konvoluten werden 12 weitere Zeitschriften aus dem Bereich des Kunstgewerbes und Kunsthandwerks, unter ihnen zahlreiche Organe deutscher Kunstgewerbevereine, sowie 10 weitere deutschsprachige Kunstzeitschriften erschlossen und online bereit gestellt

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Digitalisierung

Alle im Rahmen des Projektes zu bearbeitenden Bände werden im Digitalisierungszentrum der Universitätsbibliothek Heidelberg digitalisiert und für die Internetpräsentation aufbereitet.

Auch die Langzeitarchivierung der produzierten Daten erfolgt in Heidelberg. Für die überwiegende Mehrzahl der Bände, die in modernen Schriftarten gedruckt sind, wird mittels OCR-Bearbeitung eine Volltextrecherche ermöglicht. Bei den in Frakturschrift publizierten Bänden ist die OCR-Bearbeitung in Vorbereitung. Weitere Informationen zum Workflow und zur eingesetzten Technik finden Sie hier.

Für die reich mit Karikaturen und Illustrationen ausgestatteten Satirezeitschriften wird eine Tiefenerschließung des enthaltenen Bildmaterials in der Heidelberger Objekt- und Multimediadatenbank heidICON erarbeitet. Die Illustrationen werden sowohl nach den Künstlern als auch nach der Ikonographie recherchierbar gemacht.

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Bibliographische Erschließung

Der formale Nachweis der digitalisierten Periodika erfolgt u.a. in den einschlägigen Nachweisinstrumenten: Zeitschriftendatenbank (ZDB), Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB), Südwestdeutscher Bibliotheksverbund (SWB), Zentrales Verzeichnis digitalisierten Drucke (ZVDD), European Register of Microform and digital Masters (EROMM), Virtueller Fachkatalog Kunstgeschichte (arthistoricum.net) und dem Heidelberger Fachkatalog Kunstgeschichte. Vorgesehen ist darüber hinaus die Integration der Projektergebnisse in den OpenAccess-Bereich des Portals DigiZeitschriften.

Besondere Bedeutung kommt innerhalb des Projekts der Tiefenerschließung (Strukturdatenerfassung auf Aufsatzebene, OCR Volltexterfassung) sowie der Metadatengenerierung zu. Die modulare Vorgehensweise orientiert sich an den jeweiligen Gegebenheiten des individuellen Zeitschriftentitels. Für alle in Antiqua gedruckten Texte wird mittels OCR-Bearbeitung eine Volltextrecherche realisiert. Bei Inhaltsverzeichnissen und Registern werden die Ergebnisse der „schmutzigen“ OCR-Bearbeitung manuell nachbearbeitet werden, um für diese wichtigen Findmittel eine 100%ige Trefferquote zu erzielen. Bei den in Frakturschrift publizierten Texten werden zumindest die Inhaltsverzeichnisse und Register mit OCR erfasst und von Hand nachbearbeitet. Zu einem späteren Zeitpunkt, wenn OCR für Fraktur in ausreichender Qualität möglich ist, werden auch diese Texte komplett volltextrecherchierbar gemacht.

Das Titelmaterial der im Projekt erschlossenen Aufsätze ist zum einen über die Webpräsentation des Zeitschriftenbandes suchbar, wodurch es auch über gängige Internetsuchmaschinen zugänglich gemacht wird. Darüber hinaus wird es aber auch über bibliographische Nachweisinstrumente zur Verfügung gestellt, indem die erfassten Aufsatztiteldaten in den Heidelberger Fachkatalog Kunstgeschichte eingespielt werden und damit automatisch auch im Virtuellen Katalog Kunstgeschichte recherchierbar sind. Da die Aufsätze durch die vergebenen persistenten URLs adressierbar sind, ist der Direktzugriff aus den genannten Katalogen auf die digitalen Volltexte möglich.

Sämtliche Projektergebnisse werden zudem im Rahmen von arthistoricum.net aufbereitet. Selbstverständlich werden die in früheren Jahren in Heidelberg digitalisierten Kunst- und Satirezeitschriften in diese Präsentation eingebunden. Die digitalisierten Zeitschriften werden in kurzen erläuternden Texten kontextualisiert. Mit einer Verankerung in arthistoricum.net erreichen die Projektergebnisse die größtmögliche Sichtbarkeit in der kunsthistorischen Fachgemeinschaft.

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Erschließung der Illustrationen

Neben den geschilderten Erschließungsverfahren erfolgt bei den Satirezeitschriften die Einzelerschließung der enthaltenen Karikaturen. Die Illustrationen sind als wichtiges Quellenmaterial sowohl für Historiker als auch für Kunsthistoriker von Bedeutung. Neben ihrer künstlerischen Gestaltung ist ihre Bedeutung als Ausdrucksform politischer Meinung und ihr Wert als Bildquelle zur Erforschung von historischen Stereotypen, Ereignissen und Stimmungen im Gesellschaftsleben ihrer Entstehungszeit hervorzuheben.

Durch die Bereitstellung im Netz wird die Zugangssituation zu diesen Bildquellen wesentlich verbessert und das Material erstmals hinreichend erschlossen.

Um eine gezielte Suche nach den Illustratoren, Themen und Bildgegenständen zu ermöglichen und das Bildmaterial zudem in einen größeren Kontext zu stellen, werden alle Illustrationen in der von der Universitätsbibliothek betriebenen Objekt- und Multimediadatenbank heidICON erfasst und erschlossen. Das bislang nur mühsam zu überblickende Bildmaterial wird nach Künstlernamen, Bildgegenständen, Themen und Bildüberschriften erfasst und damit der systematische Zugriff für Forschungen erleichtert.

Ausführliche Informationen zur Erschließung der Illustrationen und Karikaturen in den Satirezeitschriften finden Sie unter Bilderschließung.

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Weiterführende Literatur

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