Navigation überspringen
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek
Kontakt

Dr. Maria Effinger

Universitätsbibliothek Heidelberg
Plöck 107-109
69117 Heidelberg
Tel: +49 (0) 6221-54-3561

E-Mail

PAN – digital

http://pan.uni-hd.de/

Vorderer Buchdeckel: Abbildung des PanDie Zeitschrift PAN, die zwischen 1895 und 1900 in Berlin erschien, gilt als eines der wichtigsten Organe des Jugendstils in Deutschland. Ihr Konzept entsprach dem Bedürfnis der Zeit, alle Zweige der Kunst miteinander zu verbinden. Auf dem Prospekt, mit dem das Erscheinen der Zeitschrift im August 1894 angekündigt wurde, hieß es, daß der PAN ein „ungetrübtes und vollständiges Bild der kunstschaffenden Kräfte unserer Zeit, sowie einen Überblick über verwandte Bestrebungen früherer Epochen“ geben wollte. Im PAN wurden zahlreiche, von renommierten, aber auch von noch unbekannten jungen internationalen Künstlern entworfene Illustrationen veröffentlicht.

Zu den bekanntesten Künstlern des Heftes gehörten Franz von Stuck, der das Bild für das Titelblatt der Erstausgabe beisteuerte, Félix Vallotton, dessen Holzschnitte durch den PAN erst bekannt wurden sowie Thomas Theodor Heine. Weitere wichtige Bildkünstler des PAN waren Henry van de Velde, Ludwig von Hofmann, Max Liebermann, Otto Eckmann und Walter Leistikow. Literarisch fanden sich in PAN Erzählungen und Gedichte, die dem Symbolismus, Naturalismus und Impressionismus zugeordnet werden können. Daneben traten viele Werke, die unter keinen Epochenbegriff sortiert werden können. Die Zeitschrift verkörperte die Anfänge der literarischen Moderne in ihrer ganzen Vielfalt wie auch Widersprüchlichkeit. Zu den wichtigsten Autoren gehörten neben Otto Julius Bierbaum, Max Dauthendey, Richard Dehmel und Arno Holz.

Wie auch die Jugend und der Simplicissimus reflektierte der PAN kritisch die traditionelle Kunstpolitik des wilhelminischen Kaiserreichs. Innerhalb der Zeitschrift wollte man ohne Bevorzugung irgendwelcher Schulen oder Richtungen die hervorragendsten Schöpfungen der zeitgenössischen Kunst einbeziehen, um somit auch einen Vergleich mit der klassischen Kunst zu ermöglichen.

Die von der Genossenschaft PAN in Berlin verlegte Zeitschrift umfasst fünf Jahrgänge und enthält im ersten Jahrgang 1895/1896 fünf Hefte, in allen anderen Jahrgängen jeweils vier Hefte, insgesamt erschienen also 21 Hefte mit 225 Kunstbeilagen. Die Herausgeber waren nicht auf materiellen Gewinn aus, sondern verlegten es „ohne Rücksicht auf kommerzielle, moralische, persönlich oder polemische Fragen unter einziger Würdigung des rein ästhetischen Gesichtswinkels“. Durch die Herausgabe der Zeitschrift sollten jüngere Künstler unterstützt und das interessierte Publikum informiert werden.

Die Zeitschrift erschien in einer Auflage von 1200-1600 Exemplaren, die bis auf einen kleineren Teil im freien Verkauf durch Abonnements veräußert wurden. Die „Allgemeine Ausgabe“ auf Kupferdruckpapier kostete 75 RM, die Luxusausgabe auf kaiserlichem Bütten kostete 160 RM und die Künstlerausgabe mit zusätzlich losen beigelegter Originalgraphik auf verschiedenen kostbaren Papieren konnte nur von Mitgliedern der Genossenschaft für 300 RM erworben werden. Der PAN ist damit die teuerste deutsche Kunstzeitschrift um 1900. So kostete zum Beispiel das Jahresabonnement der Jugend nur 24 RM.

Die nur fünfjährige Geschichte des PAN kann in drei Phasen von unterschiedlicher Qualität unterschieden werden, die durch die jeweils verantwortliche Redaktion und die einflußnehmenden Mitglieder des Redaktionskommission und der Aufsichtsrates geprägt wurden. So umfasste die erste Phase beispielsweise nur drei Hefte und wurde durch die beiden leitenden Redakteure Otto Julius Bierbaum und Julius Meier-Graefe bestimmt.

Die Zeitschrift erwies sich aufgrund ihrer großen Exklusivität in der Aufmachung und im Preis sowie der Mischthematik – bildende Kunst, Dichtung, Theater und Musik – als nicht konkurrenzfähig, so daß ihr Erscheinen 1900 eingestellt werden musste. Und so ließ Ludwig von Hofmann auf das vorletzte Blatt des letzten Heftes einen Jüngling das Wort „Ende“ in den Sand schreiben. Eine Wiederaufnahme unter der Leitung des Berliner Kunsthändlers und Verlegers Paul Cassirer 1910 währte ebenfalls nur drei Jahre.

Weiterführende Literatur

zum Seitenanfang