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Universitätsbibliothek Heidelberg
Liselotte von der Pfalz: - wie sie sich selber sah
Liselotte von der Pfalz, Herzogin von Orléans - wie sie sich selber sah

 
  • Ich will Eüch mein contrefait schicken undt in jagtskleydt, weillen die mir beßer gleichen, oder, umb die warheit zu sagen, beßer geglichen haben alß die andern; den seyder ich die kinderblattern gehabt, habe ich mich nicht mahlen laßen undt bin noch viel abscheülicher worden. (Versailles, 1. Januar 1696, an Raugräfin Louise)

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  • Mir gebürts nicht, nach andere leütte zu sehen, ob sie heßlich oder schön sein, nachdem mich der almachtige so gar heßlich hatt sein laßen; aber ich bin jetzt in einem alter, wo man sichs desto leichter zu getrösten haben kan, indem, wen ich schon schön geweßen were, müste ich doch jetzt schon heßlich geworden sein, geht also mitt einem hin; freylich halte ich mehr von innerlicher, alß eüserlicher schönheit. (Marly, 4. Juli 1698, an Raugräfin Louise)

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  • Ihr müst meiner sehr vergeßen haben, wen Ihr mich nicht mitt unter den heßlichen rechnet; ich bin es all mein tag geweßen undt noch ärger hir durch die blattern worden; zu dem so ist meine taille monstreuse in dicke, ich bin so viereckt wie ein würffel, meine hautt ist rotlich, mitt gelb vermischt; ich fange ahn, graw zu werden, habe gantz vermischte haar schon, meine stirn undt augen seindt sehr runtzelicht, meine naße ist ebenso scheff, alß sie geweßen, aber durch die kinderblattern sehr brodirt, so woll alß beyde backen; ich habe die backen blat, große kinbacken, die zän verschlissen, daß maul auch ein wenig verendert, indem es größer undt rontzelicher geworden; so ist meine schöne figur bestehlt, liebe Amelisse! (Port royal,  22. August [1698], an Raugräfin Amelie Elisabeth)

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  • Abé de Theseut werde ich vor Eüch beyde eine kleine St Clouer kirbe laßen, so er Eüch schicken wirdt, worinen Ihr eine alte dicke bagode werdet gemahlet finden, welche über die maßen gleich ist; bin versichert, daß Ihr es niemandes werdet weißen können, wo es nicht gleich kennen wirdt. Ernstlicher davon zu reden, so hatt man mich nie gleicher gemahlt, alß Ihr mich in den schächtelgen finden werdet, so Eüch abé de Thesseu schicken wirdt, nachdem ich hir weg werde sein; auffs wenigst hoffe ich, daß alles morgen fertig sein wirdt [...] (Port royal, 21. September 1700, an Raugräfin Louise)

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  • Ich bin erst nach 41 jahr fett worden; also mögte es Eüch auch woll geschehen, liebe Amellisse! (Port royal, 15. Mai 1701, an Raugräfin Amelie Elisabeth)

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  • Ich muß von hertzen lachen, liebe Amelise, daß Ihr findt, daß ich meinem contrefait, so ich ma tante geschickt, schon undt woll außsehe. Wen ein groß dick gesicht, plat maul undt kleine enge augen waß schons sein, so bin ichs gar gewiß undt werde noch alle tag schönner; den ich werde noch alle tag dicker. (Versailles, 18. November 1706, an Raugräfin Amelie Elisabeth)

  • Quelle: Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans aus den Jahren 1676 bis 1706. Hrsg. von Wilhelm Ludwig Holland. Stuttgart 1867. (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 88.), Brief Nr. 32, S. 54 f.; Nr. 61, S. 107; Nr. 65,  S. 113; Nr. 114, S. 206; Nr. 132, S. 228; Nr. 338, S. 487.
    Im Nachwort des Herausgebers zu diesem Band eine Zusammenstellung "Was Elisabeth Charlotte in den vorliegenden briefen über sich selbst äußert , sowie die urtheile, welche sie über das verschiedenartigste ausspricht". -  Man vergleiche auch in den übrigen Bänden der Briefausgabe die zwar sehr ungleichmäßig durchgearbeiteten, aber hinsichtlich derartiger Einzelheiten mitunter recht ergiebigen Register.



     
  • In der ganzen Welt können wohl keine häßlicheren Hände gefunden werden als die meinigen. Der König hat mirs oft vorgeworfen, und mich von Herzen mit Lachen machen; denn wie ich mich in meinen Leben nicht habe piquiren können was hübsches zu haben, so habe ich die Parthie genommen, selber über meine Häßlichkeit zu lachen, das ist mir recht wohl bekommen; habe oft genug zu lachen gefunden. (19.März 1717)

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  • Ich muß wohl häslich seyn, ich habe gar keine traits gehabt, kleine Augen, kurze dicke Nase, platte lange Lefzen, das kann kein Gesicht formiren; große hangende Backen, ein groß Gesicht, und bin gar klein von Person, dick und breit, kurzer Leib und Schenkel; Summa Summarum, ich bin gar ein häßlich Schäzchen. Hätte ich kein gut Gemüth, könnte man mich nirgends leiden. Um zu sehen ob ich Verstand in den Augen habe, müste man sie mit ein Microscope oder wenigstens mit einer Brille mit conserven ansehen, sonst ist es eine Kunst davon zu judiciren. (9. August 1718)

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  • Wie ich nach St. Germain kam, war ich als wenn ich vom Himmel gefallen wäre. Die Princesse Palatine gieng hübsch nach Paris, und ließ mich im Stich. Ich machte die beste Miene, so mir immer möglich war; ich sahe wohl, daß ich meinem Herrn gar nicht gefiel, das war auch kein Hexenwerck, so häßlich wie ich bin; ich nahm aber meine Resolution, so wohl mit I. L. zu leben, daß sie sich an meine Häßlichkeit gewöhnen möchten, und mich doch leiden, wie es endlich doch geschehen. (26.Dezember 1719)

  • Quelle: Briefe an Karoline von Wales und Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel. Wortgetreuer Neudruck der 1789 durch Aug. Ferd. von Veltheim zu Braunschweig; veröffentlichten Bruchstücke, besorgt u. erl. von Hans F. Helmolt. Annaberg 1909, S. 220, 227, 241, 238.  - Die Originalausgabe (Straßburg 1789) trug den Titel "Anekdoten vom Französischen Hofe vorzüglich aus den Zeiten Ludewigs XIV. und des Duc Regent aus Briefen der Madame d'Orleans Charlotte Elisabeth Herzog Philipp I. von Orleans Witwe. Welchen noch ein Versuch über die Masque de Fer beigefügt ist."


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