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Universitätsbibliothek Heidelberg
Hyacinthe Rigaud: Elisabeth Charlotte, Herzogin von Orléans
Zu dem Kupferstich nach Hyacinthe Rigaud: Elisabet Charlote. Palatine du Rhin. Duchesse d'Orléans
Bildnis - - - Rigaud (Links) - - - Brustbild-Original (Rigaud. Penel)

Liselotte von  der Pfalz - - - Inhaltsübersicht Virtuelle Fachbibliothek Geschichte

Ein Brief der Herzogin vom 18. Juni 1713 an ihre Halbschwester Raugräfin Louise, die damals bei der gemeinsamen Tante Kurfürstin Sophie von Hannover in Herrenhausen weilte, wirft ein Schlaglicht auf die Entstehung des Porträts:
"Mein contrefait werde ich ma tante schicken, so baldt es möglich wirdt sein können. Ich werde nach mich selber außmahlen laßen, damitt es ein original sein mag; man hatt sein leben nichts gleichers gesehen, alß Rigeaut mich gemahlt hatt."

Erläuterung des Herausgebers:
Im Jahre 1714 wurde das Bildnis nach Rigauds Gemälde von Charles Simonneau und Maria Magdalena Hortemels* gestochen. Eine Kopie befindet sich im sechsten Heft der von C. M. Freiherrn von Aretin veröffentlichten "Alterthümer und kunstdenkmale des bayerischen Herrscherhauses". München 1865. (Unter Hinweis auf G. K. Nagler, Neues allgemeines Künstlerlexikon VI. München 1838, S. 315 f., und XVI, S. 442 f.)1

*Möglicherweise liegt hier eine Verwechslung vor: Die von W. L. Holland vermutlich gemeinte Künstlerin erscheint bei Joseph Strutt, A Bibliography of All the Engravers (Vol. II, p. 11, PrintForum; PDF-Datei Piktogramm Nr. 11), als Mary Magdalen Hortemels, Frau des Nicholas Cochin (Vater des Künstlers gleichen Namens)  mit dem Hinweis: "Flourished, 1730 [...] By her we have some spirited little etchings, retouched with the graver, in a flight, free style, from Lancret and other masters; and several of the plates for Monicart's Treatise on the Pictures, Statues, Vases &c,  in the Palace and Park at Versailles". Der Artikel über Charles-Nicholas Cochin II (le fils) in Groveart erwähnt dessen Mutter unter Angabe der Lebensdaten (1688-1767), gleichfalls als Stecherin mit dem Mädchennamen Hortemels, jedoch abweichend von Strutt mit dem Vornamen Louise-Magdeleine.
In Anbetracht der zentralen Schaffensperiode und der Art der angespochenen Arbeiten der Mary Magdalen bzw. Louise-Magdeleine bietet es sich eher an, die Stecherin des Liselotte-Bildes mit Marie-Nicole Hortemels (Horthemels) gleichzusetzen - der zweiten Frau des königlichen Hofmalers Alexis-Simon Belle (eines Onkel von Charles-Nicholas Cochin); sowohl von ihr als auch von Charles Simonneau (vgl. Simonneau, in Groveart) sind u. a. Stiche nach Gemälden von Belle bekannt, der zahlreiche Portraits von Angehörigen des französischen Hofes schuf. Daß der hier benutzte Lexikonartikel (Alexis-Simon Belle, in Groveart) in Zusammenhang mit Belles Werk "Mlle. Béthisy and her Brother as Children" (Versailles, Château)  den Einfluß von Rigaud und Largillierre hervorhebt, spricht für eine intensive Beschäftigung des Ehepaares mit Rigaud und darf somit als Indiz für die vorgeschlagene Identifizierung gelten.

Sechs Jahre später übersendet Elisabeth Charlotte der Raugräfin anläßlich der Kirchweih ("kirmeß", "kirbe") von St. Cloud am 7. September ein weiteres Porträt (s. die Seite Penel) - "ein beeren-, katzen-, affengesicht" - von dem mehrfach die Rede ist, nachdem es zunächst auf der Post verlorengegangen schien und anschließend die Empfängerin anscheinend des Dankens kein Ende findet. In diesem Zusammenhang erwähnt die Herzogin nochmals das Gemälde von Rigaud:
" Die fraw hatt unrecht, ein brustbildt vor ein original passiren zu machen, indem Rigeau daß letzte gemacht, so in groß, wie daß Ewere in klein, ist, undt die brustbilder, [die] monsieur Ferdinant* von mir gemacht, seindt in original bey der großen printzes de Conti; eines ist in manteau, weiß mitt goltenen blumen, in jagtskleyder, aber größer, alß ein bruststück. Es kan also keines original sein, alß die, so ich ahn unßere s. liebe churfürstin geschickt habe; sie solte daß von Rigeau auch haben, aber wie es eben fertig worden undt weggeschickt solte werden, bekame ich eben die betrübte zeittung von I. L. todt. Also hettet Ihr groß recht, daß contrefait, so man Eüch verkauffen wollen, vor kein original zu halten." (St. Cloud, 15. Oktober 1719)2

"Es ist kein wunder, daß Ewer brette dem kniestück gleicht, so mein vetter [hat]; sie seindt beyde von einem original gezogen, nehmblich von dem großen portrait von monsieur Rigau, so so sehr hir im landt estimirt wirdt; den es ist über die maßen woll gemahlt." (St. Cloud, 21. Oktober 1719)3



Quellen:
Briefe der Herzogin Elisabeth Charlotte von Orléans. Hrsg. von Wilhelm Ludwig Holland. Stuttgart [u.a.] (Bibliothek des Litterarischen Vereins in Stuttgart ; 88, 107, 132)
 - Aus den Jahren 1676 - 1706. - 1867 [= Bd. I der Briefedition]. - Abgekürzt: Holland, Briefe der Herzogin, I.
 - Aus den Jahren 1707 bis 1715. - 1871. -  [= Bd. II der Briefedition]. - Abgekürzt: Holland, Briefe der Herzogin, II.
 - Aus dem Jahre 1719. - 1877. - [= Bd. IV der Briefedition]. - Abgekürzt: Holland, Briefe der Herzogin, IV.

Anmerkungen
(1) Zitat: Holland, Briefe der Herzogin, II, Brief  Nr. 580, S. 314. - Die Erläuterung des Hrsg. in: Holland, Briefe der Herzogin, I, Nachwort, S. 510.
(2) Holland, Briefe der Herzogin, IV, Brief  Nr. 1061, S. 270. ("monsier Ferdinant*": laut Register Bd IV, S. 385: Ferdinand Penel). - Von ihrer Absicht, "ma tante" das Bild nach Fertigstellung zu schicken, schreibt die Herzogin im Brief vom 18. Juni 1713; Kurfürstin Sophie von Hannover (1630-1714) starb am 8. Juni 1714. -
(3) Holland, Briefe der Herzogin, IV, Brief  Nr. 1063, S. 276.




Hyacinthe Rigaud (* Perpignan, 18. Juli 1659, † Paris, 29. Dezember 1743) war einer der bedeutensten Maler während der späteren Regierungsjahre König Ludwigs XIV., namentlich in Hofkreisen als Porträtist sehr geschätzt

Eine Biographie Rigauds mit umfangreicher Bibliographie finden Sie in Groveart (The Grove Dictionary of Art - Online), angeboten unter den Datenbanken der UB Heidelberg, Abteilung Kunstgeschichte.

Hyacinthe Rigaud. [French Baroque Era Painter, 1659-1743] • Also known as: Hyacinthe Rigau y Ros • Subject matter: Specializes in Portraits (ARTCYCLOPEDIA). - Kurzbiographie des Künstlers mit weiterführenden Links; Bestand zahlreicher Museen mit Abbildungen und detaillierten Beschreibungen der betreffenden Arbeiten, einschließlich Informationen über abgebildete Personen. - Beispiel: Madame Rigaud [Mutter des Künstlers], en deux attitudes différentes, im Louvre

Rigaud, Hyacinthe (French painter and draftsman, 1659-1743) ULAN Full Record Display (Union List of Artist Names On Line, Getty Research- Institute); bietet nicht nur sämtliche Namensformen und einige biographische Daten, sondern erschließt darüber hinaus durch eine Fülle von Links den Zugang zur Literatur und zu Internetquellen

Rigaud, Hyacinthe (Frankreich-Experte, ein Projekt von Form INform). - Biographische Notiz mit weiterführenden Links, Abbildung des Gemäldes Ludwig XIV. (Ganzfigur)

Arbeiten von Rigaud: Auktionen (Les Grands Peintres - Musée virtuel) (artprice.com). - Titel der Gemälde, Tag des Verkaufs, einige technische Angaben, mitunter Entstehungsjahr. Weitergehende Informationen für Mitglieder

Hyacinthe Rigaud: Recherche-Assistent (artnews.de, Art by Arlt Kunst-Informations-Service) - Suche nach Bildern, Websites, Museumsdatenbanken, Literatur in Bibliotheken und Antiquariaten u.v.a.



Stand: Oktober 2004  - Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Ursula Perkow (Perkow@ub.uni-heidelberg.de)
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