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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek

Vitrinenausstellung:
„Karl Hampe (1869-1936) – Erforschung des Mittelalters in Heidelberg”

Fotografie: Karl Hampe am SchreibtischKarl Hampe lehrte drei Jahrzehnte lang als ordentlicher Professor für mittelalterliche und neuere Geschichte am Historischen Seminar der Universität Heidelberg. Ruf und Ansehen der Heidelberger Geschichtswissenschaft wurden in erheblichem Maße durch ihn geprägt. Er stammte aus einer bildungsbürgerlichen Familie, genoss eine humanistische Erziehung und tat sich seit früher Jugend als Musterschüler und Klassenbester hervor.

Im neuen Kaiserreich sozialisiert, wandte er sich als junger Wissenschaftler dem Mittelalter zu und glaubte, als Herausgeber deutscher Geschichtsquellen eine nationale Aufgabe zu erfüllen. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er während des Ersten Weltkriegs durch seine Schriften zur „belgischen Frage“, danach durch mehrere Gesamtdarstellungen zur mittelalterlichen Geschichte bekannt. Wahrscheinlich war er seinerzeit der prominenteste deutsche Mediävist.

Nach 1918 wandelte sich Hampe vom „Herzensmonarchisten“ zum „Vernunftrepublikaner“ und machte sich die Werte der Demokratie zueigen. Mit seinen Büchern versuchte er, dem deutschen Volk ein Geschichtsbewusstsein zu vermitteln, das über die Krisen der Nachkriegszeit hinweg helfen sollte. Die Erinnerung an die mittelalterliche Kaisergeschichte schien dazu geeignet, das Selbstwertgefühl der Nation zu stabilisieren und auf diese Weise der Gegenwart zu dienen. Auch eine vorsichtige Öffnung zu kulturgeschichtlichen Fragestellungen war damit verbunden. Als die Vertreter der nationalsozialistischen Geschichtsauffassung das Mittelalter für ihre Zwecke zu vereinnahmen suchten, organisierte er erfolgreich den Widerspruch seiner Zunft.

Karl Hampe lebte mit seiner vielköpfigen Familie im Heidelberger Stadtteil Neuenheim. Haus und Grabstein sind erhalten. Der reichhaltige Nachlass befindet sich in der Universitätsbibliothek. Hampes Tagebücher sowie seine weitläufige Korrespondenz eröffnen faszinierende Einblicke nicht nur in die wechselnden Bedingungen eines Gelehrtenlebens im 19. und 20. Jahrhundert, sondern auch in Alltag und Innenleben eines bildungsbürgerlichen Haushalts.

In einer kleinen Vitrinenausstellung im Erdgeschoss der UB werden ab dem 29. Januar 2015 einige Exponate zum Thema aus dem Bestand der Universitätsbibliothek gezeigt.

Kontakt

Universitätsbibliothek Heidelberg
Dr. Karin Zimmermann
Tel. 06221-54-2592
Brief E-Mail

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