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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
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Witige sticht gegen drei Heiden gleichzeitig



Cod. Pal. germ. 353, Bl. 16r: Drei Heiden, unter ihnen auch Beliant, reiten mit angelegten Lanzen auf den nur mit seinem Schild bewaffneten Witige zu. Zwei zerbrochene Lanzen und ein aus dem Sattel gehobener Heide liegen bereits am Boden.

Witige sticht gegen drei Heiden gleichzeitig

Der christliche Ritter Witige verliebt sich in Libanet, die schöne Frau des Heidenkönigs Beliant. Doch die Heidin weist ihn zunächst ab. Durch ruhmreiche Kämpfe kann er sie jedoch beeindrucken und für sich gewinnen. Auf die heimliche Entführung der Braut und deren Taufe folgt der Rachefeldzug der Heiden. Sie unterliegen aber den Christen. Beliant wird gefangen genommen, er lässt sich taufen und heiratet Witiges Schwester.

Die mittelhochdeutsche Versnovelle „Die Heidin“ entstand kurz nach 1250, bis um 1300 folgten noch weitere Versionen unterschiedlichen Umfangs. Die Fassung der Heidelberger Handschrift gehört zur zweiten Textredaktion aus der Zeit zwischen 1270 und 1290. Neben Brautwerbung, Orientfahrt und Heidenkampf behandelt die Erzählung vor allem das Thema der reinen Minne. Dieses wird an einem Motiv entfaltet, das der Dichter aus der Schrift „de Amore“ des Andreas Capellanus übernommen hat. Danach möchte die tugendhafte heidnische Königin ihren Ehemann nicht verlassen, fühlt sich dem Verehrer Witige aber ebenso verpflichtet und stellt ihn daher vor die Wahl, sich entweder für ihre obere oder ihre untere Körperhälfte zu entscheiden. Erst die Komplikationen, die sich daraus ergeben, führen dazu, dass sich die Königin von ihrem Gatten abwendet.

Ursprünglich gehörte die in schwäbischem Dialekt geschriebene Handschrift zum Besitz der Margarete von Savoyen. Ein Zeichner brachte auf Blatt 6v ihr Wappen als Banner an den Zelten Witiges an. Vermutlich über ihren Sohn Kurfürst Philipp I. gelangte das Manuskript in die Bibliotheca Palatina.

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