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Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek

Adel verpflichtet – 250 Jahre Hofmusik im Südwesten

Vom ausgehenden Mittelalter bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Fürstenhöfe neben den Kirchen zeitweilig die wichtigsten Träger des Musiklebens. Trotz dieser allgemein bekannten Tatsache hat sich die Musikgeschichtsschreibung in der Vergangenheit mit dem Einfluss der fürstlichen Auftraggeber oder des sozialen und kulturellen Umfelds, unter dem musikalische Werke entstanden, nur selektiv und in erster Linie unter lokalpatriotischen Gesichtspunkten beschäftigt. Dies ist um so erstaunlicher, da doch beispielsweise die Geschichte der Oper ohne fürstliches Mäzenatentum und Hofkultur ebenso wenig denkbar ist wie etwa die Geschichte des Balletts. Auch eine Künstlerbiographie jener Zeit wurde für gewöhnlich weniger vom konsequenten Reformwillen als von den unterschiedlichen kulturpolitischen Zielen oder sei es auch nur von dem musikalischen Geschmack des Dienstherrn bzw. der jeweiligen Auftraggeber bestimmt. Die Notwendigkeit dieser Forschungen wird erst in jüngerer Zeit allgemein akzeptiert.

Foto: Schnurr
Foto: Schnurr

Die bisherigen, teilweise bereits veralteten Ergebnisse blieben außerdem punktuell, würden sie nicht in eine systematische Untersuchung des kulturgeschichtlich so wichtigen Phänomens „Hofkapelle” münden. Der Südwesten Deutschlands, das Gebiet des heutigen Baden-Württemberg, bietet sich für eine derartige Untersuchung besonders an, weil hier auf begrenztem Raum in enger Nachbarschaft etliche Adels- und Hofkapellen unterschiedlicher Größe und Ausstattung nebeneinander existierten, untereinander konkurrierten, miteinander kooperierten ‒ luxuriös finanzierte Hofkapellen mit internationaler Ausstrahlung wie Stuttgart und Mannheim, mittlere wie Karlsruhe oder Rastatt, kleine wie Donaueschingen oder Hohenlohe. Dieser Aufgabe hat sich die Heidelberger Akademie der Wissenschaften angenommen und die Forschungsstelle Geschichte der Südwestdeutschen Hofmusik ins Leben gerufen.
In einer kleinen Ausstellung in der Heidelberger Universitätsbibliothek geben die Forscher einen Einblick in ihre Arbeit. Ein Rückblick auf die Aktivitäten des vergangenen Jahres, in dem W. A. Mozarts 250. Geburtstag weltweit gefeiert wurde, und die Präsentation ihrer Publikationen eröffnet die kleine Schau. Dass der Musikhistoriker sich nicht nur mit Noten beschäftigt, erfährt der Besucher in einer weiteren Vitrine. Hier werden die wichtigsten Quellenarten exemplarisch vorgestellt, die die Grundlage für die Erforschung der Hofmusik bilden und weltweit in Archiven und Bibliotheken verwahrt werden. Der interessierte Betrachter kann anhand von einigen Exponaten auch nachvollziehen, wie im 18. Jahrhundert eine Notenhandschrift angefertigt wurde. Am Beispiel der 1777 in Mannheim uraufgeführten Oper Günther von Schwarzburg von Ignaz Holzbauer, der ersten deutschen Nationaloper, wird schließlich der Weg vom Autograph bis zur modern wissenschaftlichen Edition des Notentextes dargestellt.

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