Navigation überspringen
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universitätsbibliothek

Der Adventskalender der UB 2017

Das Bild zum 5. Dezember

Das Proletariat bewegt die Marionetten


Die kolorierte Kreidelithographie von Auguste Bouquet wurde am 3. Oktober 1833 in der französischen Satirezeitschrift La Caricature veröffentlicht. Die Illustration zeigt rechts einen übergroßen Proletarier, der gleichzeitig flötet und trommelt. Am Knie des musizierenden Mannes ist ein Seil befestigt, dessen Ende sich an einer geöffneten Bodenklappe befindet. Am Seil hängen Kronen und Zepter. Die linke Seite zeigt sechs Könige, unter ihnen König Louis-Philippe, König Charles X., Kaiser Franz I. sowie drei weitere Herrscher, die nicht eindeutig zu identifizieren sind. Die gekrönten Häupter sind in lächerlich anmutender Haltung dargestellt und scheinen tänzelnd Männchen zu machen. Die Szene erinnert an einen Rattenfänger, der seine Opfer in eine Falle locken möchte. Eine kurze Information zur Darstellung im Heft selbst spricht von Marionetten, die vom Proletariat bewegt werden.

Am rechten Bildrand sind Steinquader zu erkennen, von denen einer die Initialen des Künstlers trägt, ein anderer die Aufschrift „ICI REPOSE le dernier des Forts detaches“. Die „Forts detaches“ waren ein geplanter Befestigungsgürtel, der um die Stadt Paris entstehen sollte. Oppositionelle Gruppierungen befürchteten allerdings, dass dieser Gürtel nicht der Verteidigung gegen eine externe Bedrohung dienen, sondern Unruhen und Aufständen innerhalb der Stadt entgegenwirken sollte. Dem Druck der Gegner gab die Regierung nach und stellte die Bauarbeiten ein. Die Karikatur folgt dem Grundgedanken, dass Monarchen dem Volkswillen gehorchen sollen.

Aus: La caricature: revue morale, judiciaire, littéraire, artistique, fashionable et scénique, 1833 (Nr. 113-164), Planche 317
Große Bild-Ansicht in der Online-Volltext-Präsentation

Weiterführende Literatur: Bosch-Abele, Susanne: La caricature (1830 - 1835), Katalog und Kommentar, Weimar 1997 [2 Bände]

« zurück zum Kalender

zum Seitenanfang